Wasseralarm in Deutschland: Schützen wir unser Trinkwasser?
Schwerin bleibt von Grundwasserknappheit verschont. Der lokale Zweckverband sichert weiterhin die Trinkwasserversorgung.

Wasseralarm in Deutschland: Schützen wir unser Trinkwasser?
In Deutschlands Wasserlandschaft herrscht derzeit ein besorgniserregender Zustand: Grundwasserknappheit. Während in den großen Städten, wie Berlin und Brandenburg, bereits Alarm geschlagen wird, sieht die Lage im Schweriner Umland beruhigender aus. Kay Cieslak, Betriebsleiter des Zweckverbandes Schweriner Umland, äußert, dass hier kurz- und mittelfristig kein „Grundwasserstress“ zu befürchten sei. Die Region beziehe ihr Wasser aus Tiefen von 35 bis 150 Metern, was sie im Vergleich zu den flacheren Brunnen der Gartenbesitzer, die aus 3 bis 15 Metern Wasser fördern, besser absichert. Diese Brunnen tragen jedoch zur Einsparung von Leitungswasser bei, besonders in den ersten warmen Wochen des Sommers, wenn der Wasserverbrauch merklich ansteigt.
Die Einschätzungen von Cieslak spiegeln sich jedoch nicht unbedingt in der bundesweiten Realität wider. Laut einer aktuellen Studie des Frankfurter Instituts für sozial-ökologische Forschung im Auftrag des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sind 201 von 401 Landkreisen und kreisfreien Städten in Deutschland von Grundwasserstress betroffen, was die Dringlichkeit der Situation verdeutlicht. In 94 dieser Landkreise sind die Grundwasserstände in den letzten Jahren weiter gesunken, was massive Auswirkungen auf die Umwelt und die Gesellschaft hat.
Die Gründe für Wasserknappheit
Die Probleme sind vielschichtig. Hohe Wasserentnahmen in Landwirtschaft und Industrie, Klimawandel und das Wachstum von Siedlungsflächen tragen maßgeblich zur Abnahme des Grundwassers bei. Besondere Hotspots sind dabei Nord- und Ostdeutschland, wo landwirtschaftliche Bewirtschaftung und industrielle Nutzung einen enormen Druck auf die Wasserressourcen ausüben. In einigen Regionen, wie Brandenburg und Sachsen-Anhalt, ist die Lage besonders dramatisch, da hier die Pegelstände deutlich sinken.
„Wir stehen vor einer ernsthaften Herausforderung“, sagt Verena Graichen, Geschäftsführerin des BUND. „Die Bundesregierung muss handeln.“ Unter den Forderungen sind unter anderem die Regulierung der Grundwasserentnahme sowie die Förderung wassersparender Technologien in Landwirtschaft und Industrie. Die Schärfung des Bewusstseins für den sparsamen Umgang mit Wasser ist ebenfalls von großer Bedeutung. „Die Hauptwasserverbraucher müssen Verantwortung übernehmen“, so Graichen weiter.
Folgen der Wasserknappheit
Die Auswirkungen sind überall zu spüren. Sinkende Grundwasserspiegel führen zu austrocknenden Böden und reduzierten Flusswasserständen. Die Landwirtschaft leidet unter diesem Druck und das hat spürbare Folgen für die Ernten. Zudem hat die Artenvielfalt durch die Austrocknung von Feuchtgebieten und Mooren stark gelitten, und die Stabilität der Biotope, die als natürliche Wasserspeicher fungieren, wird immer fragiler.
In dieser kritischen Lage scheinen Regionen wie das Schweriner Umland zumindest vorübergehend besser aufgestellt zu sein. Dennoch ist auch hier ein achtsamer Umgang mit den Wasserressourcen unerlässlich, um langfristigen Engpässen vorzubeugen. Die geografischen Unterschiede in Deutschland verdeutlichen, wie viele Regionen schon jetzt stark betroffen sind und wie wichtig ein koordinierter Ansatz zur Wassernutzung und -sicherung ist.
Die Herausforderung, die uns die Wasserknappheit stellt, wird uns alle angehen. Es ist an der Zeit, die eigene Wasserbilanz zu überdenken und verantwortungsbewusst mit diesem kostbaren Gut umzugehen.
Weitere Informationen zur Grundwasserlage in Deutschland finden Sie in den ausführlichen Berichten des Nordkurier, des BUND und von ZDF Heute.