Thüringens Autozulieferer in der Krise: Tausende Jobs gefährdet!
Thüringens Autozulieferindustrie steht vor großen Herausforderungen: Werksschließungen, Stellenabbau und der Wandel zur E-Mobilität erfordern neue Strategien.

Thüringens Autozulieferer in der Krise: Tausende Jobs gefährdet!
In Thüringen rumort es gewaltig in der Automobilzuliefererbranche. Betriebe stehen unter immensem Druck, da Werksschließungen und Insolvenzen in fast schockierender Zahl ansteigen. Gleichzeitig geht die E-Mobilität, die viele als Hoffnungsträger sahen, nur schleppend voran. Ein großes Umdenken steht an, doch viele Unternehmen sind mit bestehenden Herausforderungen überfordert.
Die Situation ist dramatisch. Im Freistaat, der eng mit der Automobilindustrie verwoben ist, ereilt zahlreiche Zulieferer das Schicksal der Schließung oder des Stellenabbaus. Die MDR berichtet von Alarmzeichen: Marelli Automotive Lighting in Brotterode hat 850 Arbeitsplätze verloren, während Dagro Eissmann in Gera Insolvenz angemeldet hat und Hunderte von Beschäftigten auf der Kippe stehen. Die Liste der Unternehmen, die in Schwierigkeiten stecken, ist lang: Lear in Eisenach, Continental ContiTech in Bad Blankenburg und Vitesco in Mühlhausen haben ebenfalls gravierende Einschnitte erlebt.
Neue Herausforderungen durch Wandel
Der tiefgreifende Wandel der Automobilindustrie hat auch Thüringen fest im Griff. Geplante Schließungen wie die des Musashi-Werks in Leinefelde sind nur die Spitze des Eisbergs. Laut Boltwise plant das Unternehmen, trotz einer Standortgarantie bis 2030, im kommenden Jahr die Tore zu schließen. Der Betriebsratschef Christoph Wiederholt hat Bedenken geäußert, dass das Management die Veränderungen in der Branche verschlafen hat.
Die Nachfrage nach E-Autos ist stark gesunken, seit die Kaufprämien 2024 ausliefen. Auch der Anteil an gefertigten Automobilprodukten in Thüringen ist stark rückläufig. Insbesondere der Automobilhersteller Nidec GPM in Merbelsrod plant, jede zweite Stelle abzubauen – eine drastische Maßnahme, die Auswirkungen auf viele Familien haben könnte. Zunehmende Vergaben von Bauteilen nach Asien verschärfen die Situation zusätzlich.
Fokus auf die Zukunft
Der Geschäftsführer von automotive thüringen e.V., Rico Chmelik, sieht die Notwendigkeit für stärkere Investitionsanreize und bessere Rahmenbedingungen. Er hebt die Problematik des Abhängigkeitsdrucks von wenigen Großkunden hervor, was die gesamte Branche anfällig für plötzliche Veränderungen macht. Ein Hoffnungsschimmer könnte die Batteriefertigung sein, die durch den Bau eines neuen Testzentrums von CATL in Arnstadt gestärkt wird.
Die Rüstungsindustrie wird ebenfalls als potenzieller Auftragsgeber ins Spiel gebracht, doch eine vollumfängliche Lösung bietet dies nicht. Thüringen muss sich neu erfinden und politisch aktiv werden, um die wirtschaftlichen Herausforderungen zu meistern. Die Investitionsbereitschaft hat seit 2021 eine dramatische Wende genommen: Waren es einst 75% von Unternehmen, die neue Projekte planten, sind es heute nur noch 25%. Die Branche braucht neuen Mut zur Industriepolitik und eine stärkere Verkettung in die europäischen Lieferketten, um wieder auf die Beine zu kommen.
Alle Augen sind nun auf die Entwicklung in den kommenden Monaten gerichtet. Die Stimmen der Beschäftigten, die um ihre Arbeitsplätze kämpfen, und der Unternehmer, die in einer sich radikal verändernden Branche bestehen möchten, werden lauter. Ob der Strukturwandel in Thüringen gelingt oder ob die Region in der Schicksalsfrage der Automobilindustrie zurückbleibt, lässt sich nur erahnen.