Deutsche Atomkraft-Politik: Isolation oder Trendwende in Europa?

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Deutschland hat 2023 den Ausstieg aus der Kernenergie vollzogen. Nun zeigt sich eine Wende in der Energiepolitik und öffnet sich für neue Technologien und Investitionen.

Deutschland hat 2023 den Ausstieg aus der Kernenergie vollzogen. Nun zeigt sich eine Wende in der Energiepolitik und öffnet sich für neue Technologien und Investitionen.
Deutschland hat 2023 den Ausstieg aus der Kernenergie vollzogen. Nun zeigt sich eine Wende in der Energiepolitik und öffnet sich für neue Technologien und Investitionen.

Deutsche Atomkraft-Politik: Isolation oder Trendwende in Europa?

Am 10. Juli 2025 finden wir uns in einem Europa wieder, das sich in der Debatte um die Kernenergie erstaunlich gespalten präsentiert. Während Deutschland im Frühjahr 2023 alle seine Nuklearreaktoren vom Netz nahm und damit endgültig aus der Kernkraft ausgestiegen ist, setzen andere Länder wieder auf diese umstrittene Energieform. Ein Blick auf die Situation enthüllt eine interessante Entwicklung, bei der einige Staaten ihre Kernkraftwerke ausbauen, während Deutschland seinen Kurs als isoliert betrachten muss.

Deutschlands endgültiger Ausstieg aus der Kernenergie hat zwar für einen klaren Schnitt gesorgt, bringt jedoch auch eine Wende in der Energiepolitik mit sich. Der Druck aus der Europäischen Union (EU) führt zu einem Umdenken. So hat sich Deutschland offen gezeigt für die Förderung von Forschung an kleinen modularen Reaktoren (SMR), die nach EU-Regeln als klimafreundlich gelten. Dies steht im Gegensatz zur bisherigen Haltung, die Atomkraft als grüne Technologie abzulehnen. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) sieht in neuen Technologien für die Kernenergiepotential, um dem Klimaziel der EU näherzukommen, während der gesellschaftliche Konsens gegen eine Rückkehr zur Atomkraft in Deutschland weiterhin stark bleibt. Kritiker wie der Grünen-Europaabgeordnete Michael Bloss warnen vor einer zu nachgiebigen Haltung gegenüber atomfreundlichen Ländern wie Frankreich, das gerade seine Atomkraftwerke ausbaut.

Europäische Unterschiede

Schaut man sich um, wie die Nachbarn zur Kernkraft stehen, fällt auf, dass in Frankreich 57 Kernkraftwerke an 18 Standorten betrieben werden, bis 2050 könnten sogar bis zu 14 neue Reaktoren hinzukommen. Tschechien plant den Bau von vier weiteren Reaktoren zu seinen bereits sechs in Betrieb befindlichen Reaktoren. Auch Rumänien hat mit zwei bestehenden Reaktoren große Pläne und möchte bis 2031 zwei weitere errichten.

  • Bulgarien: Zwei Kernkraftwerke in Betrieb, zwei weitere in Planung.
  • Finnland: Fünf Reaktoren und seit 2023 einen neuen in Betrieb, mit der Möglichkeit zur Verlängerung der Genehmigungen.
  • Polen: Sechs Kernkraftwerke sollen gebaut werden, der erste Block ist für 2036 geplant.
  • Slowakei: Fünf Reaktoren in Betrieb, ein weiterer in der Inbetriebnahme.
  • Niederlande: Ein bestehendes Kernkraftwerk mit Plänen für zwei neue.
  • Vereinigtes Königreich: Neun Blöcke in Betrieb, mit neuen Reaktoren in Bau.
  • Schweden: Planung von zwei neuen Reaktoren bis 2033 und insgesamt zehn bis 2045, trotz vorherigem Ausstiegsbeschluss.
  • Belgien: Aufhebung des Neubauverbots und Plans zur Verlängerung der Laufzeiten von bis zu fünf Reaktoren.
  • Spanien: Geplanter Ausstieg bis 2035, aber gegenwärtig Bestrebungen zur Rückkehr.
  • Schweiz: Vieraktive Reaktoren, allerdings kein Neubau zulässig, Überprüfung des Verbots läuft.
  • Italien: Pläne zum Bau neuer Atomanlagen sind in der Diskussion.
  • Dänemark: Überlegt zurück zur Atomkraft zu gehen, nachdem 1985 ein Verbot beschlossen wurde.

Im Gegensatz zu diesem Kurswechsel in vielen EU-Staaten ist die Situation in Österreich besonders bemerkenswert. Dort wurde das fast fertiggestellte AKW Zwentendorf nie genutzt, da ein Gesetz die Energiegewinnung durch Kernspaltung verbietet. So bleibt Österreich vorerst stoisch im anti-atomaren Lager und verfolgt andere, erneuerbare Wege zur Energiewende.

Sicherheitsfragen und Zukunft der Technologie

Die wieder steigende Zustimmung zur Kernkraft in Europa bringt auch neue Fragen zur Sicherheit mit sich. Nach den Katastrophen von Tschernobyl und Fukushima sind die Sicherheitsvorschriften der EU verschärft worden. Der Fokus liegt nun auf der technischen Sicherheit, dem Strahlenschutz und den Maßnahmen für die sichere Entsorgung von radioaktiven Abfällen. Die EU hat umfassende Richtlinien erlassen, um die Gleichbehandlung der Technologien zu fördern und die Sicherheit aller kerntechnischen Anlagen zu erhöhen.

Die Bundestagsregierung plant, trotz der veränderten Haltung in der EU und der Entwicklungen in anderen Mitgliedstaaten keine Rückkehr zur Atomkraft anzustreben. Zukünftige Möglichkeiten könnten jedoch in der Forschung an neuen technologischen Lösungen liegen, sodass vielleicht kleine modulare Reaktoren (SMR) eine Rolle spielen können. Der Weg in die klimaneutrale Zukunft bleibt spannend und die Energiepolitik in Europa in ständiger Bewegung..