Industriestrompreis 2026: Unterstützung oder Last für den Osten?
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche plant ab 2026 einen Industriestrompreis zur Entlastung der energieintensiven Branchen.

Industriestrompreis 2026: Unterstützung oder Last für den Osten?
In Deutschland wird es zum 1. Januar 2026 einen umfassenden Wandel im Bereich der Energiepreise für die Industrie geben. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hat die Einführung eines subventionierten Industriestrompreises angekündigt, um besonders energieintensive Branchen in Krisenzeiten zu unterstützen. Diese Maßnahme wird vor allem Unternehmen, die stark unter hohen Energiepreisen leiden, zugutekommen und könnte bis zu 2000 Betriebe dazu bringen, nur 5 Cent pro Kilowattstunde zu zahlen. Daran sind Mittel aus dem Klima- und Transformationsfonds der Bundesregierung beteiligt, wie die Berliner Zeitung berichtet.
Doch nicht alle sind von diesem Vorstoß begeistert. Der Plan hat bereits einige Kritiker auf den Plan gerufen, die anmerken, dass die hohen Kosten vor allem großen Konzernen zugutekommen würden. Besonders die Stahlindustrie leidet unter den Folgen, die sich aus stark schwankenden Energiepreisen und dem Billigwettbewerb aus China ergeben. Vor dem Stahlgipfel im Kanzleramt, der am Donnerstag stattfinden wird, steht Katherina Reiche vor der Herausforderung, diese Bedenken zu entkräften und Lösungen zu präsentieren.
Kritik an einer unzureichenden Basis
Einige Branchenvertreter und Ökonomen äußern, dass lediglich 5-7% der Industrie von hohen Energiekosten betroffen sind, viele Unternehmen bereits von vergünstigten Tarifen profitieren. Die Ökonomin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) ist skeptisch bezüglich der Wirksamkeit des geplanten Preises. Zudem wird von Seiten der Monopolkommission darauf hingewiesen, dass ein nationaler Industriestrompreis allein nicht ausreiche, um die Wettbewerbsfähigkeit dauerhaft zu sichern.
Um die Verhandlungen mit der EU-Kommission voranzubringen, arbeitet Reiche an einem rechtlich zulässigen Mechanismus, um das EU-Wettbewerbsrecht nicht zu verletzen. Erst im Sommer hat die Kommission Spielräume für Subventionen freigegeben, und nun stehen die finalen Abstimmungen zur Ausgestaltung des Industriestrompreises an. Das Ziel ist es, eine bürokratiearme Regelung zu finden, die zahlreiche Unternehmen entlastet.
Politische Unterstützung und die Zukunft
Die ostdeutschen Bundesländer unterstützen den Industriestrompreis und sind sich einig, dass umfassende Reformen notwendig sind. Brandenburgs Wirtschaftsministerium betont die Notwendigkeit, Hürden abzubauen, um schneller Hilfe leisten zu können. Auch das Thüringer Energieministerium sieht in der Maßnahme eine kurzfristige Entlastung, verlangt aber nachhaltige Lösungen für die Zukunft. Die IG Metall mahnt, dass der Preis gekoppelt sein sollte an Kriterien wie Beschäftigungssicherung und Zukunftsinvestitionen.
Mit einer geschätzten Kosten von 1,5 Milliarden Euro pro Jahr könnte der subventionierte Strompreis für die genannten Unternehmen zwar eine massive Unterstützung darstellen, jedoch auch neue Prüfungen durch die EU nach sich ziehen. Während die Bundesregierung an der einheitlichen deutschen Stromgebotszone festhält, warnen Verbände wie der Bundesverband der Deutschen Industrie und der BDEW vor möglichen Marktverzerrungen und der begrenzten Wirksamkeit der EU-Vorgaben. Die Diskussionen um den angemessenen Preis und das zugrunde liegende Modell sind demnach noch lange nicht beendet.
Wird der geplante Industriestrompreis tatsächlich die erhoffte Wende bringen, oder handelt es sich nur um eine kurzfristige Hilfe? Die kommenden Tage und die finale Entscheidung im Kanzleramt werden es zeigen. Immerhin steht viel auf dem Spiel: nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Industrie, sondern auch die Arbeitsplätze und die Zukunft vieler Beschäftigter in Deutschland.