Bahnchaos in MV: Gibt es zu wenig Zugbegleiter während der Sanierung?
Schwerin: Bauarbeiten an der Bahnstrecke Hamburg-Berlin; Personalmangel bei Zugbegleitern sorgt für verlängerte Fahrzeiten.

Bahnchaos in MV: Gibt es zu wenig Zugbegleiter während der Sanierung?
Die Bahnverbindung zwischen Hamburg und Berlin, eine der bedeutendsten Direktstrecken in Deutschland, ist seit dem 1. August aufgrund umfangreicher Bauarbeiten gesperrt. Diese Generalsanierung soll bis zum 30. April 2026 andauern und beträgt insgesamt 278 Kilometer. Dabei werden nicht nur Gleise und Oberleitungen saniert, sondern auch 28 Bahnhöfe und Haltepunkte modernisiert. Die Deutsche Bahn investiert rund 2,2 Milliarden Euro in dieses bedeutende Infrastrukturprojekt, das zudem dazu dient, die Flexibilität im Betrieb durch zusätzliche Überleitstellen zu erhöhen. Im Rahmen dieser Arbeiten wurde ein umfassendes Verkehrskonzept entwickelt, um den Reisenden zuverlässige Alternativen zu bieten. Laut dem Nordkurier stehen dafür über 170 Busse zur Verfügung, die täglich 86.000 Kilometer zurücklegen und insgesamt 27 Linien bedienen.
Das Feedback der Reisenden zu den vorübergehenden Umstellungen ist gemischt. Viele tragen die längeren Fahrzeiten mit Fassung, dennoch gibt es deutliche Kritik an der Deutschen Bahn, besonders in Mecklenburg-Vorpommern. Hier wird der Personalmangel bei den Zugbegleitern ins Spiel gebracht. Obwohl ein Bahnsprecher betont, dass der Personalbestand der Kundenbetreuer bei DB Regio Nordost insgesamt „ausgeglichen“ sei, räumt das Unternehmen ein, dass ein zusätzlicher Personalbedarf geplant werden muss. Aktuell sind 225 Kundenbetreuer in dieser Region im Einsatz, doch die Möglichkeit, stärker frequentierte Züge mit zwei Zugbegleitern auszustatten, soll den Service und die Sicherheit verbessern.
Herausforderungen des Personalmangels
Doch der Personalmangel betrifft nicht nur die Zugbegleiter, sondern dringt tief in die ganze Branche ein. Die Frankfurter Rundschau berichtet, dass die Deutsche Bahn etwa 10% mehr Mitarbeitende benötigt, um alle aktuellen Anforderungen der Gewerkschaften zu erfüllen. Der Personalmangel hat bereits zu Verspätungen bei Zügen geführt, die zunehmend in den Fokus gerückt sind.
Um gegen die Engpässe in der Belegschaft anzugehen, hat die Deutsche Bahn in den letzten fünf Jahren über 130.000 neue Mitarbeiter eingestellt und plant für 2024 erneut eine deutliche Aufstockung. Zudem wurde eine spezielle Abteilung „Cross-Border-Recruiting“ ins Leben gerufen, um Fachkräfte aus dem Ausland zu gewinnen. Von 2019 bis heute wurden bereits 450 internationale Fachkräfte rekrutiert, wobei Sprachkurse für Lokführer angeboten werden, um die nötigen Sprachkompetenzen zu erlangen.
Für die Reisenden bedeutet die derzeitige Situation, dass sie beim Pendeln zwischen Hamburg und Berlin einen Umweg in Kauf nehmen müssen. Ob die Bahn aus diesen Herausforderungen lernen wird und ob der Service erfahrungsgemäß mit den Milliardeninvestitionen in den kommenden Monaten verbessert wird, bleibt abzuwarten. Die Generalsanierung wird daran maßgeblich beteiligt sein, sodass alle Beteiligten hoffen, dass nach der Baustelle eine bessere Bahnverbindung entsteht.