Debatte um Lenins Statue: Denkmalschutz oder Aufklärung?

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Debatte um die Lenin-Statue in Schwerin: Denkmalstatus, Aufklärung und historische Auseinandersetzung stehen im Fokus.

Debatte um die Lenin-Statue in Schwerin: Denkmalstatus, Aufklärung und historische Auseinandersetzung stehen im Fokus.
Debatte um die Lenin-Statue in Schwerin: Denkmalstatus, Aufklärung und historische Auseinandersetzung stehen im Fokus.

Debatte um Lenins Statue: Denkmalschutz oder Aufklärung?

Die Debatte um die Lenin-Statue in Schwerin wird immer hitziger. Immer mehr Stimmen, insbesondere von Opferverbänden, fordern, dass dem Denkmal-Status der Statue widersprochen wird. Regierungsvertreterinnen, darunter Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD), werden in dieser Anfrage zunehmend gefordert, wie die Ostsee-Zeitung berichtet.

Die Statue steht im Stadtteil Neu Zippendorf und wurde 1985 anlässlich der 825-Jahr-Feier der Stadtgründung aufgestellt. Historisch betrachtet, zählt sie zu den bedeutendsten Monumenten der DDR im Norden, neben dem Rostocker Matrosendenkmal und dem Ernst-Thälmann-Standbild in Stralsund. Während die Statue als Mahnmal an Lenins „Dekret über den Boden“ von 1917 stehen soll, das die Enteignungen einleitete, sehen viele die Statue als ein Symbol der Unterdrückung.

Die gemischten Gefühle

Das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege hat die Statue als Denkmal eingestuft, was auf stadt-, kunst- und politikgeschichtlichen Gründen basieren soll. Dies stößt jedoch auf Widerstand. Neunzehn Personen, darunter prominente Vertreter von Opferverbänden und Historiker wie Ilko-Sascha Kowalczuk, haben einen offenen Brief an die Landesregierung und die Stadtverwaltung verfasst. Der Brief fordert die Entfernung der Statue oder zumindest, dass sie nicht staatlich geehrt wird. Stattdessen schlagen die Unterzeichner vor, das Andenken an Arno Esch, ein Opfer des Stalinismus, zu ehren, der 1951 in Moskau hingerichtet wurde.

Die Kritiker argumentieren weiter, dass es nicht genug sei, die Statue mit Hinweistafeln zur geschichtlichen Einordnung zu umgeben. Vorschläge, die Statue nach dem Motto „zuwachsen lassen“ oder sogar im Innenhof des ehemaligen KGB-Gefängnisses am Demmlerplatz aufzustellen, stehen im Raum. Auch eine prominente Aufklärung über Lenins Geschichte und Ideen in Form eines Pavillons wird diskutiert, um die Bevölkerung über die dunkle Vergangenheit aufzuklären.

Proteste und öffentliche Meinungsbildung

Die Diskussion wird zusätzlich angeheizt durch Protestaktionen, bei denen in der Vergangenheit immer wieder gefordert wurde, die Statue abzureißen. So äußerte Burkhard Bley, Landesbeauftragter für die Aufarbeitung der SED-Diktatur, dass man im Umgang mit der Statue durchaus sensible Lösungen finden könnte, diese aber nicht unverändert stehen bleiben dürfe, wie NDR festhält.

Während die Stadtvertretung über den Denkmal-Status der Statue beraten will, sind die Meinungen unter den Bürgern und in der Politik gespalten. Einige werden Lenins Rolle als Träumer, der eine gerechte Welt schaffen wollte, ins Feld führen, während andere unmissverständlich auf die brutalen Methoden hinweisen, die mit seiner Politik einhergingen.

Die entscheidende Frage bleibt, ob die Statue in ihrer jetzigen Form stehen bleiben kann oder ob ein Umdenken nötig ist, um den unterschiedlichen Sichtweisen der Vergangenheit gerecht zu werden. Ein klarer Zeitrahmen, wann die Stadtvertretung über die Statue entscheidet, steht noch aus. Doch eines ist sicher: Die Auseinandersetzung um dieses Denkmal ist noch lange nicht beendet.