Lehrerin pendelt 100 km: Warum Schleswig-Holstein ihren Abschluss nicht anerkennt!
Jasmin Röschmann pendelt täglich für ihren Lehrerjob in MV, da ihr Abschluss in Schleswig-Holstein nicht anerkannt wird.

Lehrerin pendelt 100 km: Warum Schleswig-Holstein ihren Abschluss nicht anerkennt!
Jasmin Röschmann, eine Lehrerin aus Neumünster, sieht sich mit einem besonders herausfordernden Dilemma konfrontiert: Trotz ihres Abschlusses in Gymnasiallehramt (Deutsch und Geschichte), den sie 2021 an der Universität Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern erwarb, wird ihr Abschluss in Schleswig-Holstein nicht anerkannt. Dies zwingt sie dazu, täglich 100 Kilometer nach Schönberg in Mecklenburg-Vorpommern zu pendeln, um dort an einer Grundschule arbeiten zu können.
Eine zusätzliche Qualifikation für die Grundschule hat Röschmann ebenfalls erworben. Diese wird jedoch in Schleswig-Holstein nicht anerkannt, was sie als besonders frustrierend empfindet. Obwohl sie in ihrem neuen Beruf als Lehrerin Fuß fassen möchte, erhielt sie bei Bewerbungen an Grundschulen in Schleswig-Holstein immer wieder die Mitteilung, dass sie lediglich am Gymnasium tätig sein könne. Auch der Vorbereitungsdienst, den das Bildungsministerium von Schleswig-Holstein für Quereinsteiger anbietet, wird von ihr abgelehnt. Staatssekretär Tobias von der Heide (CDU) hat bereits betont, dass dieser Weg eine Möglichkeit für Beamtenstellen an Grundschulen darstellt, doch Röschmann sieht sich nicht als Quereinsteigerin und empfindet den Vorbereitungsdienst als unzumutbar.
Bedingungen für Lehrkräfte in Schleswig-Holstein
Die Situation von Röschmann ist keineswegs ein Einzelfall. Franziska Hense, Co-Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Schleswig-Holstein, unterstützt sie in ihrer Kritik an der Anerkennungspraxis des Ministeriums. Hense weist darauf hin, dass es häufig vorkommt, dass Lehrkräfte aus anderen Bundesländern den Übergang nach Schleswig-Holstein nicht schaffen. Dennoch argumentiert das Bildungsministerium, dass der Bedarf an Lehrkräften derzeit nicht hoch sei – mit lediglich 27 offenen Stellen im Grundschulbereich. Die GEW hingegen sieht die Lage als problematisch an, da die geringen Zahlen auch auf Stellenstreichungen trotz steigender Schülerzahlen zurückzuführen seien.
Täglich steht Jasmin Röschmann um 5:00 Uhr auf, um rechtzeitig nach Schönberg zu gelangen und gleichzeitig die Betreuung ihres zweieinhalbjährigen Sohnes zu organisieren. Mit einem Pendelaufwand von rund 1.000 Kilometern pro Woche erlebt sie nicht nur Herausforderungen hinsichtlich ihrer Zeitplanung, sondern auch hohe Spritkosten. Ihre Kollegen können nicht nachvollziehen, warum eine so qualifizierte Lehrerin in Schleswig-Holstein nicht an einer Grundschule arbeiten kann.
Anerkennung von Lehrabschlüssen
Die Problematik rund um die Anerkennung von Lehrabschlüssen ist in Deutschland ein umfangreiches Thema. Im Jahr 1999 beschloss die Kultusministerkonferenz die gegenseitige Anerkennung von Lehramtsprüfungen und Lehramtsbefähigungen als vorrangige Aufgabe. Ein späterer Beschluss aus dem Jahr 2013 zielte auf die verbindlichere gegenseitige Anerkennung und den gleichberechtigten Zugang zum Vorbereitungsdienst für Lehramtsabsolventen, unabhängig vom Bundesland des Abschlusses. Diese Rahmenbedingungen scheinen jedoch in der Praxis oft nicht zu greifen, was vielen engagierten Lehrkräften wie Röschmann das Leben schwer macht.
Für Lehrkräfte, die in Deutschland mobil sein möchten, ist die Gewährleistung der Anerkennung von entscheidender Bedeutung. Während die gesetzlichen Regelungen bestehen, bleibt die Realität, wie im Fall von Jasmin Röschmann, oft hinter den Erwartungen zurück.
Die Herausforderungen, mit denen innovative Lehrer konfrontiert sind, müssen in Anbetracht des Bildungsbedarfs und der steigenden Schülerzahlen ernst genommen werden. Andernfalls könnte es passieren, dass talentierte Pädagogen im Pendelstress feststecken, anstatt dort eingesetzt zu werden, wo ihre Fähigkeiten dringend benötigt werden.