Abriss der Burgstraße 59 in Salzwedel: Ist die Geschichte verloren?
Am 08.11.2025 droht der Abriss des historischen Gebäudes Burgstraße 59 in Salzwedel, während die TraWo um dessen Erhalt kämpft.

Abriss der Burgstraße 59 in Salzwedel: Ist die Geschichte verloren?
Im Zentrum von Salzwedel, direkt gegenüber der Holzmarktstraße und in der Nähe der berühmten Burg Salzwedel, steht das Gebäude an der Burgstraße 59. Leider sieht es so aus, als würde dem historischen Bau nun bald der Abriss drohen. Am Freitagnachmittag, den 08.11.2025, fanden bereits Baggerarbeiten im Hinterhof statt. Die TraWo, eine Genossenschaft, hat Anteile der Jewish Claims Conference erworben und versucht, das Gebäude zu sichern.
Uta Thiel, Vorsitzende des Arbeitskreises Salzwedeler Altstadt, äußerte Bedenken, dass der Abriss noch verhindert werden kann. Ihrer Meinung nach werden keine weiteren Aktionen stattfinden, um den Verlust des Gebäudes zu stoppen. Der Altmarkkreis Salzwedel hat mit einem beauftragten Unternehmen bereits den Leistungszeitraum für den Abriss so gut wie festgelegt. Thiel spricht sich auch für Gesetzesänderungen aus, um Fristen zu verkürzen und derartige Verfälle in Zukunft zu verhindern.
Historische Bedeutung
Das Gebäude ist nicht nur ein alter Bau, sondern hat auch eine tragische Geschichte, die mit der jüdischen Kaufmannswitwe Clara Weil verbunden ist. In den 1930er Jahren lebte sie dort mit ihrer Familie. Während der antisemitischen Verfolgungen wurde ihr Ehemann, David Hirsch, nach dem Novemberpogrom 1938 ins KZ Buchenwald gebracht. Clara wurde 1942 während der Überführung ins Warschauer Ghetto getötet, und ihre Tochter Hanna sowie deren Tochter Rachel fanden ebenfalls tragische Enden im Ghetto Theresienstadt und im KZ Auschwitz.
Um an das Unrecht zu erinnern, wurden Stolpersteine vor dem Haus verlegt. Diese erinnern seit dem 26. Juni 2010 an die Familie Weil und ihre Leiden während des NS-Regimes. Die unklare Rechtslage des Gebäudes hat jedoch dazu geführt, dass es seit 2001 einer Erbengemeinschaft gehört, die sich um die Nachlassregelung kümmerte, inzwischen aber immer mehr in den Hintergrund gedrängt wird, während der Abriss immer näher rückt.
Aktuelle Entwicklungen
Die TraWo hat sich bereit erklärt, die Anteile der Jewish Claims Conference zu übernehmen, die 15 Prozent besitzen, und somit mehr Einfluss auf die Erhaltung des Gebäudes auszuüben. TraWo-Vorstand Sabine Decker zeigt sich besorgt, dass der Abriss eventuell noch bevor die administrativen Angelegenheiten geklärt sind, stattfinden könnte. Auch die Terminierung dieser Maßnahmen ist sehenswert, da sie unglücklich mit dem Gedenken an die Reichspogromnacht, die am kommenden Sonntag stattfindet, zusammenfällt.
Eine Unterschriftenliste zur Erhaltung des Gebäudes und der Entwicklung eines Nutzungskonzeptes wurde beim Petitionsausschuss des Landtags eingereicht. Der Ausschuss trifft sich alle drei Monate, jedoch hat dieser keine aufschiebende Wirkung. Das Schicksal der Burgstraße 59 bleibt somit ungewiss, während die Bürger von Salzwedel weiterhin für ihr Erbe kämpfen.