Tafeln am Limit: Armut bedroht Millionen in Sachsen-Anhalt!

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Im Jerichower Land belastet steigende Armut die Tafeln; 26 % der Bevölkerung sind von sozialer Ausgrenzung bedroht.

Im Jerichower Land belastet steigende Armut die Tafeln; 26 % der Bevölkerung sind von sozialer Ausgrenzung bedroht.
Im Jerichower Land belastet steigende Armut die Tafeln; 26 % der Bevölkerung sind von sozialer Ausgrenzung bedroht.

Tafeln am Limit: Armut bedroht Millionen in Sachsen-Anhalt!

Die Armut in Deutschland bleibt ein drängendes Thema, das immer mehr Menschen betrifft. Aktuellen Schätzungen zufolge sind rund 14,2 Millionen Menschen in Deutschland armutsgefährdet, was ungefähr 15,5 % der Bevölkerung entspricht. Diese alarmierenden Zahlen machen deutlich, dass immer mehr Haushalte Schwierigkeiten haben, über die Runden zu kommen. Das Sozialgesetzbuch (SGB II) legt fest, dass Hilfebedürftigkeit besteht, wenn der Lebensunterhalt nicht aus eigenem Einkommen oder Vermögen gesichert werden kann. Besonders betroffen sind Alleinerziehende und Menschen mit Migrationshintergrund, die oft überdurchschnittlich von Armut betroffen sind.

Die Situation in Sachsen-Anhalt sticht dabei besonders hervor. Dort leben rund 2,1 Millionen Menschen, von denen etwa 554.000 (ca. 26 %) von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht sind. Die Tafeln, die eine zentrale Rolle in der Lebensmittelversorgung für Bedürftige einnehmen, helfen jährlich etwa 1,5 Millionen Menschen in Deutschland, darunter auch viele in Sachsen-Anhalt. Im Jerichower Land beziehen zurzeit etwa 850 Bürger Grundsicherung und 950 Personen erhalten Wohngeld. In Magdeburg liegt die Zahl der Empfänger von Grundsicherung bei 2.870, während 1.395 Personen Wohngeld erhalten.

Die Tafeln im Fokus

Tafeln sind ein wichtiger Bestandteil der sozialen Unterstützung in Deutschland. Sie versorgen jährlich rund 60.000 Menschen allein in Sachsen-Anhalt mit dringend benötigten Lebensmitteln. Die Tafel Magdeburg hat sich auf die Fahnen geschrieben, etwa 6.000 Menschen zu erreichen und stellt jährlich mehr als 120 Tonnen Lebensmittel zur Verfügung. Doch nicht nur die Anzahl der Menschen, die Hilfe benötigen, steigt, sondern auch die Anforderungen an die Tafeln selbst.

Die Tafel-Landesvorsitzende Kai-Gerrit Bädje hebt hervor, dass Tafeln als “Lebensmittelretter” fungieren und im Gleichklang mit den steigenden Bedürftigkeitszahlen, die letzten fünf Jahre eine Zunahme um 10 % zeigen, zunehmend unter Druck geraten. Abnehmende Spenden und steigender Bedarf machen die Situation noch herausfordernder. Auch in der Tafel Magdeburg arbeiten rund 30 Mitarbeiter in Arbeitsgelegenheiten und 8 bis 10 Ehrenamtliche, um die notwendige Hilfe zu leisten.

Armut überwinden – Herausforderungen und Lösungsansätze

Wie sieht die Entwicklung der Armut in Deutschland aus? Der Trend ist besorgniserregend: Im Jahr 2024 waren 15,5 % der Bevölkerung armutsgefährdet, was nahezu ein Fünftel entspricht. Zum Vergleich: 2021 erreichte die Armutsquote mit 16,9 % einen Rekordwert seit der Wiedervereinigung. Das Problem der Wohnungslosigkeit wächst ebenfalls, mit ungefähr 566.800 Wohnungslosen, darunter viele, die keinen festen Wohnsitz haben.

Die Ursachen von Armut sind vielschichtig. Experten sprechen von relativer Armut, die definiert wird als ein Einkommen unter 60 % des Median-Einkommens. Für einen Ein-Personen-Haushalt beträgt die Armutsgefährdungsschwelle 1.378 Euro im Monat. Die Tafeln leisten nicht nur Lebensmittelhilfe, sondern organisieren auch Projekte zur Ernährungs- und kulturellen Bildung sowie soziale Teilhabe. So werden die Tafeln zu Orten der Begegnung und des Austauschs, wo Betroffene nicht nur Lebensmittel, sondern auch soziale Kontakte erhalten.

Um der Armut in Deutschland wirksam entgegenzuwirken, fordert Tafel Deutschland Maßnahmen von der Bundesregierung. Dazu gehören die Einführung eines armutsfesten Mindestlohns und die Aufwertung sozialer Berufe. Die gesellschaftliche Verantwortung liegt nicht nur bei den Tafeln, sondern auch bei der Politik, die strukturelle Veränderungen vornehmen muss, damit jeder Mensch an dem Wohlstand des Landes teilhaben kann.

Die Herausforderungen sind groß, doch es gibt auch zahlreiche Initiativen und Organisationen, die sich für eine Lösung starkmachen. „Da liegt was an“ – umso wichtiger ist es, dass der gesellschaftliche Zusammenhalt gestärkt und Menschen in Not nicht allein gelassen werden.