Lebensraum im Wandel: Das Grüne Band im Kampf gegen den Klimawandel!
Sachsen-Anhalt fördert projektbezogene Erhebungen zur Artenvielfalt im Grünen Band, um ökologische Herausforderungen zu meistern.

Lebensraum im Wandel: Das Grüne Band im Kampf gegen den Klimawandel!
Die Natur ist im Wandel, und das merkt man besonders an einem der letzten Rückzugsorte für viele Tierarten in Deutschland – dem Grünen Band. Hier, entlang des ehemaligen innerdeutschen Grenzstreifens, gibt es in diesem Jahr besonders viel Bewegung, vor allem im Hinblick auf die Auswirkungen des Klimawandels. Im Hitzejahr 2023 ist die Trockenheit deutlich spürbar. So wurden kürzlich neue Flachgewässer angelegt, die vor allem von Watvögeln genutzt werden, die auf den abtrocknenden Schlickflächen nach Nahrung suchen. Dabei können begeisterte Naturbeobachter sogar Seeadler und Schwarzstörche erspähen, während Graureiher und Silberreiher ebenfalls häufig anzutreffen sind. Doch die Bekassine bleibt in diesem Jahr aus, und die Zahl der brütenden Kiebitze hat merklich abgenommen. Die Trockenheit hat sogar dazu geführt, dass Raritäten wie Knäck- oder Schnatterente ausbleiben, was die Situation noch verstärkt. Hierüber informiert MDR.
Doch nicht nur die Vogelkundler sind aktiv. Im Rahmen eines neuen Projekts hat der BUND eine 1400 Kilometer lange Felderhebung zur Insektenvielfalt gestartet, um die ökologische Bedeutung des Grünen Bandes zu erfassen. Diese Erhebung wird vom Bundesamt für Naturschutz gefördert und soll den Schutz sowie die Entwicklung der Lebensräume hier unterstützen. Besondere Aufmerksamkeit erhalten flugfähige Insekten wie seltene Schecken- und Dukatenfalter sowie Wildbienen. Medienberichten zufolge sollen sechs Expertenteams bis August 2023 an 100 Standorten Insektenproben sammeln, die dann in einem spezialisierten Labor genetisch analysiert werden. Dies soll neue Erkenntnisse zur Rolle des Grünen Bandes als Klimakorridor liefern, erklärt BUND.
Schutz und Forschung im Grünen Band
Das Grüne Band ist nicht nur ein wichtiger Lebensraum für Tiere und Pflanzen, sondern es könnte auch auf dem Weg zur UNESCO-Welterbe-Nominierung sein. Prof. Dr. Hubert Weiger vom BUND betont die wissenschaftliche Basis für diesen Schritt, während Sabine Riewenherm vom BfN die Bedeutung des Gebiets für den Naturschutz hervorhebt. Über 177 Quadratkilometer großen Fläche sind über vier Fünftel als nationales Naturmonument geschützt. Damit bildet das Grüne Band den längsten durchgehend geschützten Biotopverbund in Europa und verbindet viele Schutzgebiete. Es ist auch Teil des Grünen Bandes Europa mit seinen mehr als 12.500 Kilometern..
Die aktuellen Herausforderungen durch den Klimawandel sind dabei nicht zu unterschätzen. Wie die Forschung zeigt, sind viele Bestäuberarten auf dem Rückzug. Arten wie die Glockenblumen-Scherenbiene sind vom Aussterben bedroht, während andere Arten, die sich in Deutschland verbreiten, die empfindlichen ökologischen Gleichgewichte stören können. Der Privatdozent Matthias Schleuning hat in seiner Forschung festgestellt, dass die Wechselbeziehungen zwischen Pflanzen und Tieren in komplexen Ökosystemen entscheidend sind für deren Gesundheit. Er beschreibt, dass viele Arten sich anpassen müssen, um in ihrer gewohnten Umgebung zu überleben, oder aber in höhere Regionen ausweichen müssen. Dabei haben historische Vergleiche ergeben, dass Vegetationszonen in den letzten 200 Jahren um mindestens 200 Meter nach oben gewandert sind, was die Fragilität unserer Ökosysteme unterstreicht.
Fazit: Naturschutz ist gefragt
Die Situation am Grünen Band ist ein Weckruf für uns alle: Naturschutz muss höchste Priorität haben. Denn die Artenvielfalt ist nicht nur schön anzusehen, sie trägt auch zur Widerstandsfähigkeit unserer Ökosysteme bei. Und während die Natur auf der einen Seite leidet, gibt es auf der anderen Seite Hoffnung durch Projekte wie die Insektenvielfaltserhebung, die Licht ins Dunkel über den Zustand unserer Umwelt bringen will. In Zeiten des Klimawandels sind unsere Anstrengungen gefragter denn je – da liegt was an!