Tierarztmangel in Sachsen-Anhalt: Wo bleiben die Helfer für Tiere?
Wittenberg: Herausforderungen für Tierarztpraxen im Landkreis – lange Wartezeiten, wenige Angebote und steigender Bedarf.

Tierarztmangel in Sachsen-Anhalt: Wo bleiben die Helfer für Tiere?
In letzter Zeit herumgeistert ein Thema durch die Tierhaltung und -medizin, das besorgte Tierbesitzer und Tierärzte gleichermaßen beschäftigt. Die Rede ist von den Öffnungszeiten der Tierarztpraxen, die in vielen Regionen, einschließlich des Landkreises Wittenberg, zu einem echten Problem geworden sind. Ein Blick auf die Situation macht deutlich, dass zahlreiche Veterinärmediziner nur sporadisch verfügbar sind, oftmals drei Tage pro Woche oder gar nicht nachmittags. Das resultiert in einer wahren Terminflut, denn viele Praxen sind wochenlang ausgebucht. MDR berichtet, dass …
Besonders im kleinen Bad Schmiedeberg sieht es mau aus. Dort ist die einzige Tierärztin, Sabine Meumann, die aus einer alten Tierarztdynastie stammt, eine wahre Alleskönnerin. Sie ist nicht nur für große und kleine Tiere zuständig, sondern muss auch vielseitige Behandlungen anbieten. Unterstützung erhält sie von einer Tierarzthelferin und ihren treuen Praxishunden. Diese flexiblen Ansätze sind besonders in ländlichen Gebieten nötig, wo der Rückgang von rein auf Nutztierpraxis spezialisierten Tierärzten auffällt, der im letzten Jahrzehnt dramatisch war. Von einst 130 Praxen in den 1990er Jahren sind heute nur noch 22 übrig geblieben.
Engpass in der tiermedizinischen Versorgung
Die Statistik der Bundestierärztekammer zeigt eine positive Entwicklung: Ende 2024 waren in Sachsen-Anhalt über 800 Tierärzte tätig, doch der Trend geht in die falsche Richtung. Viele junge Mediziner ziehen sicherere städtische Jobs vor und meiden die Selbstständigkeit, was vor allem bei weiblichen Absolventen stark ausgeprägt ist. Die Kammer reagiert und Kammerpräsident Wolfgang Gaede sieht Handlungsbedarf. Seine Idee einer Landtierarztquote, basierend auf dem bayrischen Modell, könnte eine Lösung sein, jedoch erweist sich der fehlende tiermedizinische Fachbereich in Sachsen-Anhalt als großes Hindernis für eine Umsetzung.
Ein weiteres Augenmerk der tierärztlichen Gemeinschaft liegt auf der zunehmenden Bürokratisierung. So berichtet Meumann, dass rund ein Drittel ihrer Arbeitszeit für administrative Aufwendungen draufgeht. In einem Beruf, der eigentlich durch die Leidenschaft zur Tiermedizin geprägt ist, bleibt da nur wenig Zeit für die eigentliche Behandlung. Im Kittel, aber mit einer Vielzahl an Verpflichtungen, sind die Zeiten der klassischen Tierarztbesuche weit entfernt von der Realität.
Die Zukunft der tierärztlichen Ausbildung
Was lässt sich tun, um den Nachwuchs zu fördern und die Tierärzte von morgen auf die Herausforderungen vorzubereiten? Die Akademie für tierärztliche Fortbildung (ATF) kommt ins Spiel, die seit 1974 aktiv ist und eine zentrale Rolle in der Weiterbildung einnimmt. Ihre Aufgabe ist es, die Qualität von Fortbildungsmaßnahmen zu prüfen und europaweite Harmonisierung zu fördern. Das stellt sicher, dass Tierärzte die nötigen Kenntnisse in Schlüsseldisziplinen wie Biochemie, Ethologie und Radiologie erwerben.
Das Studium der Veterinärmedizin ist vielschichtig: Es umfasst Fächer von der Histologie bis zur Pathologie und bietet ein breites Spektrum an praktischer Ausbildung. Die Absolventen erhalten umfassende Einblicke in unterschiedlichste Bereiche, etwa durch ein einjähriges Internship, das sie auf ihre zukünftigen Aufgaben vorbereitet, egal ob in der Praxis oder im öffentlichen Dienst. Doch trotz dieser soliden Ausbildung steht der Beruf in einem Wandel.
Es bleibt abzuwarten, ob die Vorschläge der Kammer und der Wille, etwas zu ändern, die Situation der Tierärzte und Tierbesitzer in Sachsen-Anhalt entspannen können. Eines steht fest: Die tiermedizinische Versorgung könnte ein wenig frischen Wind vertragen.