Frieden im Fokus: EKD-Synode diskutiert Krieg und Verantwortung in Dresden
Die 6. Tagung der EKD-Synode in Dresden thematisiert Frieden und Verantwortung, eröffnet von einem ZDF-Gottesdienst.

Frieden im Fokus: EKD-Synode diskutiert Krieg und Verantwortung in Dresden
In Dresden ging am 9. November 2025 die 6. Tagung der 13. Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) an den Start. Die Eröffnung fand mit einem ZDF-Fernsehgottesdienst in der Dreikönigskirche statt, der sich mit dem Thema Krieg und Frieden auseinandersetzte. Tobias Bilz, stellvertretender Ratsvorsitzender der EKD und sächsischer Landesbischof, hielt die Predigt vor rund 400 Besucher*innen, die ein großes Interesse an den verschiedenen Perspektiven der christlichen Friedensethik zeigten. So berichteten unter anderem ein Soldat und ein Kriegsdienstverweigerer über ihre Ansichten zu den Herausforderungen von Krieg und Frieden. Dies verdeutlicht, wie vielseitig der Diskurs in diesem sensiblen Themenfeld ist.
Die Präses der Synode, Anna-Nicole Heinrich, unterstrich in ihren Ansprachen die Verantwortung der Kirche, Frieden zu fördern. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass über 80 % der unter 25-Jährigen Krieg als ihre größte Sorge empfinden. Um den Stimmen der Jugend Gehör zu verschaffen, führte Heinrich Gespräche mit jungen Menschen aus Deutschland, Armenien und Georgien und thematisierte dabei zentrale Fragen zu Krieg, Frieden und Verantwortung.
Schwerpunkte der Synode
In einem Rückblick auf die vergangenen Ergebnisse skizzierte das Präsidium ein spannendes Thema für die kommende Synode: Demokratie. Angesichts von fünf Landtagswahlen im Jahr 2026 denkt man bereits über die Relevanz von demokratischen Strukturen nach. Auch der bereits beschlossene Maßnahmenplan gegen sexualisierte Gewalt wurde in die Diskussion eingebracht. Ein zentrales Schwerpunktthema der laufenden Tagung ist die Beziehung zwischen Kirche und Macht, was die Mitglieder der Synode besonders intensiv beschäftigt.
Die Synode, bestehend aus 128 Mitgliedern, ist eines der drei Leitungsorgane der EKD, welche die Verantwortung für die Erarbeitung von Kundgebungen, Beschlüssen, Haushaltsplänen und Kirchengesetzen trägt. Unter der Leitung von Anna-Nicole Heinrich, die selbst Mitglied des 15-köpfigen Rates der EKD ist, wird die Diskussion sicherlich durch abwechslungsreiche Perspektiven und konstruktive Ansätze geprägt.
Friedensethik im Fokus
Ein besonders zentraler Punkt auf der Synodentagung ist die Diskussion über eine neue Friedensdenkschrift, die während der Herbstsynode veröffentlicht wird. Diese Denkschrift greift die Fragen von Krieg und Frieden auf, insbesondere im Kontext des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine sowie der Eskalation im Nahen Osten nach dem Überfall der Hamas auf Israel im Oktober 2023. Friederike Krippner, Akademiedirektorin und Co-Vorsitzende der EKD-Friedenswerkstatt, betont in ihrer Mitautorinenschaft, dass das Konzept eines gerechten Friedens dabei im Mittelpunkt steht.
Aber was bedeutet das eigentlich? Frieden wird mehrdimensional gedacht, es geht nicht nur um die bloße Abwesenheit von Gewalt, sondern auch um den Schutz vor Gewalt, die Förderung von Freiheit und den Abbau von Ungleichheiten. Diese Denkschrift ist nicht als dogmatischer Text zu verstehen, sondern als Aufruf zur Gewissensbildung. Die Fragen, inwieweit gerechter Frieden auch durch Gegengewalt erreichbar sein kann, werden ebenfalls thematisiert—natürlich nur unter der Voraussetzung, dass alle anderen Möglichkeiten erschöpft sind.
Die Eckpfeiler der evangelischen Friedensethik, die in Dokumenten wie „Aus Gottes Frieden leben – für gerechten Frieden sorgen“ aus dem Jahr 2007 oder der *Kirche auf dem Weg der Gerechtigkeit und des Friedens* verankert sind, bieten einen wertvollen Hintergrund für diese Debatten über ethisch verantwortetes Handeln in und nach Konflikten.
Die Synode tagt noch bis zum 12. November 2025 und die hochkarätige Diskussion über Frieden, Gerechtigkeit und die Verantwortung der Kirche wird mit Spannung verfolgt. Die Energien sind hoch und das Engagement der Mitglieder spürbar, wie die verschiedene Stimmen und Perspektiven zeigen, die hier zusammenkommen.