Jüdisches Leben in Suhl: Ein historischer Rundgang voller Erinnerungen
Ein Stadtrundgang in Suhl beleuchtet jüdisches Leben und Geschichte, inspiriert von Käte Sanders Leben und Werk.

Jüdisches Leben in Suhl: Ein historischer Rundgang voller Erinnerungen
Am sonnigen Sonntagvormittag trafen sich rund 40 Mitglieder der jüdischen Gemeinde Erfurt zu einem bedeutenden Stadtrundgang in Suhl. Die Veranstaltung, die an die reiche Geschichte und das jüdische Erbe der Stadt erinnerte, wurde von Heidemarie Schwalbe im Namen des Suhler Bündnisses für Demokratie und Toleranz eröffnet. Die Erfurter Gäste waren beeindruckt von den Stätten des jüdischen Lebens in Suhl, die sie besuchten. Besonders nachdenklich wurden sie vor der Sander-Villa, bekannt als „Judenhaus“, einem Ort, an dem mehr als 40 Menschen zusammengepfercht waren, was eindrucksvoll die schwierigen Lebensbedingungen während der NS-Zeit verdeutlichte. Ein Artikel in der Zeitung „Schofar“ über das Leben von Käte Sander hatte zuvor das Interesse der Erfurter Gemeinde geweckt und das Engagement für die Geschichte jüdischen Lebens in Suhl gefördert.
Die jüdische Geschichte in Deutschland erstreckt sich über mehr als 1700 Jahre zurück. Bereits in der römischen Provinz Germania inferior lebten Juden, deren rechtliche Stellung jedoch oft eingeschränkt war. Spannend ist, dass jüdische Gemeinden, etwa in Köln, mit dem Dekret von Kaiser Konstantin im Jahr 321 erstmals dokumentiert sind. Im Laufe der Jahrhunderte wuchs die jüdische Bevölkerung in Deutschland erheblich, insbesondere im 10. und 11. Jahrhundert. Diese Blütezeit endete im 14. Jahrhundert mit zahlreichen Pogromen und Verfolgungen, die sich über die Jahrhunderte hinweg immer wiederholen sollten. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 erreichte die systematische Verfolgung ihren grausamen Höhepunkt. Dies führte dazu, dass nach dem Zweiten Weltkrieg nur noch wenige Juden in Deutschland lebten – viele waren emigriert oder getötet worden.
Würdigung jüdischer Persönlichkeiten
Ein leuchtendes Beispiel für das jüdische Leben in Suhl und darüber hinaus ist die Geschichte von Max Levy-Suhl. Geboren am 14. April 1876 in Suhl als drittes Kind einer Kaufmannsfamilie, war er ein angesehener Nervenarzt und Psychotherapeut. Mit 41 wissenschaftlichen Publikationen zwischen 1904 und 1945 beeindruckte Levy-Suhl während seiner Laufbahn zahlreiche Kollegen. 1933 emigrierte er mit seiner Frau Hildegard und seiner Adoptivtochter Berta vor dem Nazi-Regime in die Niederlande. Levy-Suhl setzte sich intensiv für das Wohl von schwer erziehbaren Kindern ein und gründete ein Heim in Amersfoort. Tragisch endete sein Leben durch Suizid am 26. September 1947 in Amsterdam.
Levy-Suhls Geschichte spiegelt die Herausforderungen wider, mit denen jüdische Fachkräfte während und nach der NS-Zeit konfrontiert waren. Er war der einzige der drei deutsch-jüdischen Psychoanalytiker, die 1933 nach Holland emigrierten, der die Verfolgung überlebte. Seine Frau starb zweieinhalb Jahre nach ihm, was die Einsamkeit und das Leid, das vielen in dieser Zeit widerfuhr, verdeutlicht. Der anhaltende Antisemitismus in Deutschland, der sich nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 verstärkt hat, zeigt, dass die jüdische Gemeinschaft nach wie vor nicht nur mit der Geschichte, sondern auch mit aktuellen Herausforderungen konfrontiert ist.
Insgesamt gibt es heutzutage etwa 95.000 Mitglieder in jüdischen Gemeinden in Deutschland, die sich in 104 Gemeinden im Zentralrat der Juden organisiert haben. Trotz der florierenden jüdischen Gemeinden bleibt die Sicherheitslage angespannt, was an den noch immer vorhandenen Vorurteilen und Bedrohungen deutlich wird.
Die Erfurter Gemeinde und die Suhler fördern durch solche Veranstaltungen wie den Stadtrundgang das Bewusstsein für die bedeutende Rolle, die das jüdische Leben in ihren Städten spielte und noch immer spielt, und zeigen damit, dass der Dialog über die Vergangenheit und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft Hand in Hand gehen müssen.