Judenfeindliche Skulptur in Wittenberg: Neuer Bildungsort entsteht!
Maren Krüger kuratiert eine Ausstellung zur Wittenberger "Judensau", um über Antisemitismus aufzuklären und Bildungsangebote zu schaffen.

Judenfeindliche Skulptur in Wittenberg: Neuer Bildungsort entsteht!
In Wittenberg nimmt das brisante Thema Antisemitismus eine neue Wendung. Die Judaistin Maren Krüger wird die geplante Ausstellung zu einem der berüchtigsten antisemitischen Reliefs, bekannt als die “Judensau”, kuratieren. Diese Darstellung, die sich an der Stadtkirche befindet, wo einst Martin Luther predigte, gehört zu den markantesten Beispielen antijüdischer Kunst im Mittelalter in Deutschland. Krüger, die bis 2024 im Jüdischen Museum Berlin tätig war, hat sich für eine Zusammenarbeit mit der Evangelischen Stadtkirchengemeinde und der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt entschieden, um einen Bildungsort zu schaffen, der das historische und theologische Umfeld der Schmähplastik beleuchtet. ekmd.de berichtet, dass seit Jahrzehnten Diskussionen über die Entfernung oder museale Präsentation der Darstellung geführt werden.
Die “Judensau” zeigt einen Rabbiner, der hinter einer Sau kniet, zusammen mit zwei weiteren Männern, die an den Zitzen der Sau saugen. Diese groteske Darstellung hat nicht nur die Gemüter erregt, sondern führte auch zu wiederholten Forderungen, sie von der Kirchentafel zu entfernen. Eine Klage, die im Jahr 2022 vom Bundesgerichtshof abgewiesen wurde, zeigt, wie umstritten die Thematik ist. Im Oktober 2022 beschloss der Gemeindekirchenrat, die Empfehlung eines Expertenrates zur Abnahme des Reliefs abzulehnen und stattdessen über diese belastete Geschichte aufzuklären. katholisch.de stellt fest, dass eine Klage um die Erhaltung des Reliefs jederzeit abgelehnt wurde.
Bildungsinitiative zur Auseinandersetzung mit Antisemitismus
Um die Gedenkkultur rund um das Relief weiterzuentwickeln, hat im Juni 2023 ein Ausschuss seine Arbeit aufgenommen. Ein Ziel dieses Ausschusses ist es, unter anderem die Position der evangelischen Kirche zu entschärfen und sich klar gegen Antisemitismus zu positionieren. Pfarrer Matthias Keilholz drängt darauf, die Notwendigkeit eines solchen Wandels zu betonen. Der Akademiedirektor Christoph Maier hebt hervor, dass der Antijudaismus von Luther in direkteste Verbindung mit dieser Darstellung gebracht werden kann. Die “Judensau” bleibt somit ein zentraler Streitpunkt in der Geschichte der Stadt und der Kirche.
Die Initiative umfasst vier Hauptsäulen, die die Weiterentwicklung der Gedenkstätte prägen sollen. Dazu zählen geistlich-theologische Impulse mit jährlichen theologischen Gesprächen, spezialisierte Erwachsenenbildung, ein verstärkter Bildungshorizont für Schulen und schließlich temporäre künstlerische Interventionen. Eine zusätzliche Infotafel, die 2023 aufgestellt wurde, enthält eine Vergebungsbitte und hebt die Mitschuld der evangelischen Kirche an den Judenverfolgungen hervor. Zudem wurde 1988 eine Bodentafel installiert, die an den Holocaust erinnert.
Einsatz für die Erinnerung
Die örtliche Bevölkerung steht vor der Herausforderung, sich mit einem schwierigen historischen Erbe auseinanderzusetzen. Oberbürgermeister Torsten Zugehör verweist auf eine Erklärung des Stadtrats aus dem Jahr 2017, die den Erhalt des Reliefs befürwortet. Auf dieser Grundlage ist die Entscheidung, die “Judensau” an Ort und Stelle zu belassen und gleichzeitig aufzuklären, ein Schritt in die richtige Richtung.
Es bleibt abzuwarten, wie die geplante Ausstellung unter der Leitung von Maren Krüger Gestalt annehmen wird und welche Prozesse der Aufarbeitung in den kommenden Jahren weitere Diskussionen anstoßen werden. Die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit wird auch weiterhin wichtig sein, um eine klare Haltung gegen Antisemitismus zu zeigen und eine Bildungskultur zu fördern, die aus der Geschichte lernt.