Chemnitz veröffentlicht Broschüre: Stolpersteine erzählen bewegende Geschichten

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Chemnitz veröffentlicht Broschüre über Stolpersteine, um an Opfer des Nationalsozialismus zu erinnern und deren Geschichten zu teilen.

Chemnitz veröffentlicht Broschüre über Stolpersteine, um an Opfer des Nationalsozialismus zu erinnern und deren Geschichten zu teilen.
Chemnitz veröffentlicht Broschüre über Stolpersteine, um an Opfer des Nationalsozialismus zu erinnern und deren Geschichten zu teilen.

Chemnitz veröffentlicht Broschüre: Stolpersteine erzählen bewegende Geschichten

In Chemnitz tut sich aktuell Spannendes im Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus: Die Stadt hat eine neue Broschüre über das Projekt Stolpersteine veröffentlicht, die sowohl im Rathaus als auch online auf der städtischen Webseite erhältlich ist. Mit 16 Seiten geballter Informationen gibt die Broschüre Aufschluss über die Arbeit der AG Stolpersteine und stellt die Geschichten von fünf verschiedenen Opfergruppen vor. Darunter befinden sich jüdische Familien, politisch Andersdenkende, Menschen mit Behinderungen, Homosexuelle sowie Sinti und Roma. Wie Chemnitz.de berichtet, ist das Ziel dieser Veröffentlichung, das Erinnerungskultur zu stärken und die Gesellschaft für die Verfolgung dieser Gruppen zu sensibilisieren.

Die Broschüre beleuchtet eindrucksvoll die Schicksale von Verfolgten wie die jüdische Familie Sander, die aufgrund ihres Möbelhauses in der Dresden Straße Enteignungen und eine Deportation erlebte. Tragisch ist die Geschichte von Willy Lesser, der als politisch Andersdenkender 1935 wegen Hochverrats verurteilt wurde. Auch Gerhard Rothe wird in der Broschüre erwähnt, ein Euthanasieopfer, das dem grausamen Aktion T4 zum Opfer fiel. Daneben hat die Erzählung von Adolf Wilhelmi, der als Homosexueller 1942 ins KZ Dachau deportiert wurde, ihren Platz. Die Schicksale der Sinti und Roma, repräsentiert durch Hugo und Martha Hoff, runden die bewegende Darstellung ab.

Was sind Stolpersteine?

Stolpersteine, oder wie sie im Englischen genannt werden „stumbling stones“, sind kleine, mit Messing überzogene Gedenksteine, die im Bürgersteig vor den letzten frei gewählten Wohnorten der Opfer eingelassen sind. Jeder Stein trägt den Namen und wichtige Lebensdaten des Opfers. Seit der Initiation des Projekts durch den Künstler Gunter Demnig im Jahr 1992 wurden weltweit bereits über 116.000 Stolpersteine installiert. Wie Destination WWII feststellt, ist diese Erinnerung eine Form des Gedenkens, die Passanten zu einem Innehalten anregen soll.

Dieser dezentrale Gedenkstein ist nicht nur ein Symbol für die Erinnerung an die jüdischen Opfer des Holocaust, sondern auch an viele andere Verfolgte, wie Sinti, Roma und Behinderte. Die Zahlen sprechen für sich: Mehr als 80.000 dieser Steine würdigen die Erinnerungen an die Verfolgten in Deutschland allein, mit über 10.000 in Berlin. Die Kosten für einen Stolperstein belaufen sich im Schnitt auf 120 bis 180 Euro, wobei oft Spenden und lokale Fundraising-Aktivitäten zur Finanzierung herangezogen werden.

Ein Aufruf zur Teilnahme

In Chemnitz werden kontinuierlich neue Stolpersteine verlegt, um die Gedenk- und Erinnerungskultur aktiv zu gestalten. Die Stadt ist bestrebt, Pat:innen zu finden, die bereit sind, die Kosten zu übernehmen. Interessierte Bürger können sich via E-Mail an die zuständige Stelle wenden. Was die Diskussion um Stolpersteine anbelangt, so scheiden sich oft die Geister; einige Städte lehnen die Installation ab, während die Mehrheit sie unterstützt und oft auch mit emotionalen Gedenkveranstaltungen begleitet.

Wie die neue Broschüre illustriert, ist das Stolperstein-Projekt nicht nur eine Form aktiver Erinnerung, sondern auch ein Aufruf an die Gesellschaft, die Geschichten der Verfolgten lebendig zu halten. In diesem Sinne zeigt Chemnitz Initiative und Verantwortungsbewusstsein – ein Lernen aus der Geschichte, das in der Gegenwart ankommt.