Erfurt feiert 40 Jahre Möbelgeschichte: Zeitzeugen gesucht!
Erfurt präsentiert einen Vortrag zur Möbelgeschichte der DDR, einschließlich Zeitzeugenbeteiligung und Archivmaterialien.

Erfurt feiert 40 Jahre Möbelgeschichte: Zeitzeugen gesucht!
In Erfurt tut sich einiges, insbesondere im Bereich der Möbelindustrie, die nicht nur ein wirtschaftlicher Faktor, sondern auch ein Stück kulturelles Gut ist. Am 6. Oktober 2025 gibt es einen spannenden Vortrag, der die Entwicklung der Möbelproduktion in der Region über mehr als vier Jahrzehnte dokumentiert. Die Stadtverwaltung Erfurt hat dazu ins Stadtarchiv eingeladen, wo auch Zeitzeugen zur Mitarbeit an einer Chronik aufgerufen werden. Sie sind gefragt, ihr Wissen sowie Dokumente und Bilder beizusteuern.
Was macht die Möbelindustrie so besonders? Ganz einfach: Möbel gelten als persönliches und kulturelles Gut, das den Charakter der Menschen widerspiegelt. In der DDR entstanden zahlreiche Modelle, um den vielfältigen Bedürfnissen der Bevölkerung gerecht zu werden. Der VEB Möbelwerk Erfurt, ein beachtlicher Betrieb mit rund 1.200 Mitarbeitern, hat dabei eine zentrale Rolle gespielt. Dieser wurde in den 1960er Jahren gegründet und war von 1968 bis 1979 als VEB Möbelkombinat Erfurt bekannt, bevor er Teil des VEB Thüringer Möbelkombinat Suhl wurde.
Gründung und Entwicklung
Die Anfänge dieser traditionsreichen Branche reichen zurück bis in den Herbst 1945, als die “Arbeitsgemeinschaft Vorwärts” von Tischlern, Schlossern und Klempnern ins Leben gerufen wurde. Diese fand auf dem Gelände des Betriebs für Holz- und Metallbau in Erfurt ihren Ursprung. Im Januar 1946 wurde dann der Eintrag ins Handelsregister vollzogen, was den Startschuss für die Produktion von Industriegütern im Bereich Holz- und Metallverarbeitung markierte. Im Sommer 1949 folgte die Umstellung auf Möbelproduktion im Zuge von Branchenbereinigungen, und das Unternehmen wurde Volkseigentum.
Die Entwicklung in der Möbelindustrie ist nicht nur eine Geschichte von Herstellungsprozessen, sondern auch eine der Einbindung in gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklungen. Heinz Möller, ein ehemaliger Mitarbeiter des VEB Möbelkombinat Dessau, hat sich zur Aufgabe gemacht, die Geschichte dieser Betriebe eingehender zu erforschen. Er ist intensiv auf der Suche nach Zeitzeugen und historischen Dokumenten über die Möbelproduktion in der DDR. „Der 1. Oktober 1979 brachte einen Wendepunkt für die Möbelindustrie“, erklärt Möller, „als sieben Möbelkombinate wie auch ein Zulieferkombinat gegründet wurden.“ Diese Gründung war notwendig, um die wirtschaftlichen Herausforderungen, die aus dem Krieg und der Teilung Deutschlands resultierten, anzugehen.
Die Rolle der Möbelindustrie
Die Möbelindustrie war dabei mehr als nur ein Wirtschaftszweig – sie war ein essentielles Element der DDR-Geschichte. In den 1960er Jahren stellte Ostdeutschland etwa 3 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP) mit Möbeln her und war in diesem Bereich sogar Exportweltmeister. Bis zur Wende exportierten Betriebe wie der VEB Möbelwerke Südharz Eisleben rund 300.000 Schlafzimmer in die Sowjetunion. Diese Erfolge tragen zur bunten geschichtlichen Palette der Region bei, nicht zuletzt durch die Innovationskraft der vielen Betriebe und ihrer Belegschaften.
Eine Einladung zur aktiven Mitgestaltung des kollektiven Gedächtnisses: Wir freuen uns auf die Geschichten, die dokumentiert werden möchten. Interessierte Zeitzeugen sind herzlich aufgerufen, sich bei der Stadtverwaltung zu melden. Sie können sich unter archivfreunde.erfurt@aol.com oder telefonisch unter 0361 655-2914 anmelden. So wird sichergestellt, dass die reiche Geschichte der Möbelindustrie in Erfurt nicht nur gewahrt, sondern auch lebendig bleibt.
Für weitere Informationen zur Entwicklung der Möbelindustrie und die Einladung zur Mitarbeit an einer Chronik besuchen Sie auch archive-in-thueringen.de und Heinz Möllers Webseite hm-controlling.de.