Gera feiert Textilgeschichte: Neue Ausstellung im Museum beeindruckt!
Erfahren Sie mehr über Geras reiche Textilgeschichte und die neue bedeutende Ausstellung im Museum für Angewandte Kunst.

Gera feiert Textilgeschichte: Neue Ausstellung im Museum beeindruckt!
Im Museum für Angewandte Kunst in Gera wird eine neue Ausstellung eröffnet, die die spannende Geschichte der Textilindustrie beleuchtet. Inmitten von Stoffen, Textilmustern und ursprünglichen Techniken gibt die Ausstellung einen faszinierenden Einblick in eine Epoche, in der Gera eine der wohlhabendsten Städte im Deutschen Kaiserreich war. Die ersten Tuche wurden hier im 13. Jahrhundert hergestellt, und die Stadt avancierte rasch zu einem wichtigen Standort der Textilproduktion. Besonders bemerkenswert war der Import glatter, feiner Gewebe durch niederländische Glaubensflüchtlinge im 16. Jahrhundert, der die Qualität und Vielfalt der örtlichen Produkte erheblich steigerte. MDR berichtet, dass Gera für seine qualitativ hochwertigen und farbenprächtigen Stoffe bekannt war, die sogar nach Italien und Indien exportiert wurden.
Die Ausstellung thematisiert nicht nur die Entwicklung der Stoffe, sondern auch den politischen und gesellschaftlichen Wandel, den die Textilfirmen mit sich brachten. Besonders die Kammwollspinnerei Morand & Co. setzte Dampfmaschinen ein, um die Produktion zu modernisieren und zu intensivieren. Ein eindrucksvolles Detail der Ausstellung ist der Abschnitt über die Zeit des Ersten Weltkriegs, als aus zerrissenem Papier Garn hergestellt wurde, um die Produktion aufrechtzuerhalten.
Wirtschaftsgeschichte und Wandel der Stadt
Die wirtschaftliche Bedeutung der Textilindustrie in Gera kann kaum überschätzt werden. Im Jahr 1891 erzielte die Wollwarenweberei einen Jahresumsatz von 60 Millionen Reichsmark, und das Brockhaus-Lexikon berichtete 1894 von rund 190 Fabriken in der Stadt. Patifakte hebt hervor, dass bis 1990 Branchen wie Textilmaschinenbau, Maschinenbau, Elektronik sowie Feinmechanik und Optik die Wirtschaft von Gera dominierten. Doch nach der Wende erlebte die Stadt einen drastischen Rückgang der Textilproduktion.
In der DDR-Zeit prägte vor allem der VEB Modedruck Gera die lokale Industrie. Bunte, bedruckte Modestoffe waren das Markenzeichen des Unternehmens, das exportierte Stoffe sowohl in die UdSSR als auch in den Westen lieferte. Trotz dieser Erfolge musste der VEB Modedruck im Jahr 1996 Konkurs anmelden und wurde 1999 durch die MD Gera GmbH übernommen.
Von der Blütezeit zur Insolvenz
Die Entwicklung Gera’s ist ein Paradebeispiel für den dramatischen Wandel der Industrie. Im 18. Jahrhundert war die Stadt als Zentrum für Stoffmuster bekannt, und bis 1900 zählte sie zu den wohlhabendsten Städten im Deutschen Kaiserreich. Durch die Zeit der Industrialisierung, die in Ostdeutschland begann, stieg die Bedeutung der Textilindustrie immens. Ähnlich wie in England trugen viele Industriezweige, die aus der Textilbranche hervorgingen, zur wirtschaftlichen Stärke bei. Industriekultur Ost beschreibt, dass der Rückgang der Textilproduktion in Gera nach 1990 ein herber Schlag für die Stadt war, der nicht nur wirtschaftliche Folgen, sondern auch soziale Auswirkungen hatte.
Weihnachtliche Stoffe und Designerstücke mögen heute zwischen den Regalen des Museums stehen, doch nicht zu vergessen ist der letzte Raum der Ausstellung. Hier wird der “Bubu” gezeigt, ein Gewand aus “Afrikadamast”, das von der Getzner Textil AG in Gera hergestellt und nach Mali, Senegal, Nigeria und Mauretanien exportiert wurde. Diese Verbindung zur Gegenwart und den globalen Märkten ist ein eindrucksvoller Abschluss für die Ausstellung, die die lange und bewegte Geschichte Gera’s textilem Erbe eindrucksvoll ins Bild setzt.