Primärarztsystem in Deutschland: Schneller zu Facharztterminen?
Diskussion um Primärarztsystem in Deutschland: Patientenführung, schnellere Termine und kritische Stimmen aus Fachverbänden am 19.06.2025.

Primärarztsystem in Deutschland: Schneller zu Facharztterminen?
In Deutschland wird zurzeit hitzig über die Einführung eines Primärarztsystems diskutiert, das die Steuerung von Patienten und die Vergabe von Facharztterminen verbessern soll. Wie stern.de berichtet, müssen Patienten in diesem neuen System zunächst einen festgelegten Hausarzt konsultieren, der sie dann gegebenenfalls an Fachärzte weitervermittelt. Ziel ist es, überflüssige Arztbesuche zu vermeiden und Patienten schneller zu den passenden Spezialisten zu leiten.
Die kassenärztliche Vereinigung (KV) Hessen steht dem Vorhaben jedoch skeptisch gegenüber. Armin Beck, Vorstand für Hausärzte, betont, dass die meisten Patienten in der Lage sind, selbst zu entscheiden, zu welchem Arzt sie gehen möchten. Auch Frank Dastych, Vorstand für Fachärzte, argumentiert, dass Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern die kürzesten Wartezeiten auf Facharzttermine hat, weshalb eine solche Steuerung nicht notwendig sei. Es bestehen noch zahlreiche offene Fragen, daher möchte sich die KV nicht endgültig festlegen.
Zusammenarbeit zwischen Haus- und Fachärzten
Demgegenüber äußert sich der Hausärzteverband Hessen positiv zur Idee eines gesteuerten Systems. Christian Sommerbrodt, der Vorsitzende, sieht in der stärkeren Vernetzung der Hausarztpraxen eine Lösung. Ein Beispiel aus der Praxis verdeutlicht das: Bei Kopfschmerzen können verschiedene Ursachen zugrunde liegen, weshalb eine “Vorfilterung” durch Hausärzte als sinnvoll erachtet wird. Auch die Landesärztekammer Hessen begrüßt die Idee als Chance zur besseren Patientenversorgung, fordert jedoch die Beachtung individueller Bedürfnisse und eine Absage an starre Zuweisungswege.
Zusätzlich unterstützt die neue Bundesregierung die Einführung des Primärarztsystems, wie apotheken-umschau.de berichtet. Ein Schwerpunkt liegt darauf, Patienten schneller an einen Facharzt zu vermitteln und dadurch lange Wartezeiten zu verringern. Über 10 Millionen Menschen nehmen bereits am Programm „Hausarztzentrierte Versorgung“ teil, das ähnliche Ansätze verfolgt. Ein verbindlicher Primärarzt soll dem Patienten für ein Jahr zugeordnet werden, mit einigen Ausnahmen für bestimmte Facharztbesuche.
Kritik und mögliche Herausforderungen
Dennoch gibt es auch kritische Stimmen. Die Deutsche Stiftung Patientenschutz warnt vor einer möglichen Überlastung der Hausarztpraxen. Zudem befürchten Unfallärzte, dass akute Verletzungen oder Notfälle durch das System Verzögerungen erfahren könnten. Auch der Spitzenverband der Fachärzte fordert, dass Patienten mit bestimmten Erkrankungen direkt zu Fachärzten gehen dürfen, ohne erst den Umweg über einen Hausarzt nehmen zu müssen.
Ein Ampelsystem zur Kennzeichnung der Dringlichkeit von Terminen wird ebenfalls diskutiert. Wie sueddeutsche.de berichtet, wird das Primärarztsystem derzeit zwischen Politikern und Verbänden intensiv erörtert. Die Idee ist, dass Hausärzte zu ersten Ansprechpartnern für Patienten werden, um eine gezielte Entscheidung für weitere Facharztbesuche zu treffen. Während einige wie der Allgemeinarzt Michael Seidl aus Scheyern das System bereits erfolgreich umsetzen, wird allgemein gemutmaßt, ob es tatsächlich zu schnelleren Terminen bei Fachärzten führen kann.