Öl-Funde in der Ostsee: Usedom-Bewohner fürchten um den Tourismus!
Öl- und Gasfunde vor Usedom: Bedenken über Umwelt und Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern. Politische Reaktionen erwartet.

Öl-Funde in der Ostsee: Usedom-Bewohner fürchten um den Tourismus!
In den vergangenen Wochen hat die Entdeckung eines neuen Öl- und Gasvorkommens vor der polnischen Küste, nahe der beliebten Ferieninsel Usedom, für reichlich Gesprächsstoff gesorgt. Eine kanadische Firma, Central European Petroleum (CEP), hat während Probebohrungen in der Nähe von Swinemünde ein größeres Vorkommen entdeckt. Schätzungen zufolge könnten dort rund 22 Millionen Tonnen Öl lagern. Dies wirft nicht nur Fragen zur Energiepolitik auf, sondern auch zur Zukunft des Tourismus in der Region, die die Hauptwirtschaftsquelle Usedom ist. Laut MDR ist dies nicht die erste Berührung der Region mit der Ölindustrie; bereits in den 1960er Jahren wurde hier Erdöl gefördert, stets ohne die Zustimmung Polens.
Das Missfallen ist groß, insbesondere auf der deutschen Seite: Umweltminister Till Backhaus aus Mecklenburg-Vorpommern äußert scharfe Kritik an den geplanten Öl- und Gasbohrungen. Er befürchtet, dass der Tourismus durch die möglicherweise entstehenden Bohrtürme und die Industrialisierung der Küste stark beeinträchtigt werden könnte. Hoteliers und Urlauber auf Usedom sind ebenfalls besorgt über die Auswirkungen auf die natürliche Schönheit der Region. “Ein wirtschaftliches Desaster” ist Backhaus’ pessimistisches Urteil, sollte die Bohrungspläne weiterverfolgt werden.
Historische und bilaterale Aspekte
Die historische Perspektive ist ebenfalls vielschichtig. In der DDR wurde von 1961 bis 1996 Erdöl nachlässig gefördert, ohne Rücksicht auf die geltenden regionalen Absprachen. Das erste Vorkommen wurde in Reinkenhagen entdeckt, wo heute ein Museum die Erdölgeschichte der DDR mit etwa 2.000 Exponaten präsentiert. Diese Vergangenheit wirft Schatten auf die aktuelle Situation, zumal die bilateralen Absprachen zwischen Deutschland und Polen besagen, dass eine grenzüberschreitende Umweltverträglichkeitsprüfung Voraussetzung für solche Projekte ist.
In diesem Kontext wird die Informationspolitik kritisiert. Mecklenburg-Vorpommern war über die aktuellen Vorhaben nicht informiert worden, was in der regionalen Politik auf Unmut stößt. Backhaus fordert daher eine klare Stellungnahme der Bundesregierung gegenüber Polen, um bestmöglich auf die Entwicklungen einzugehen.
Die Sicht aus Polen
Auf polnischer Seite sieht der stellvertretende Umweltminister Krzysztof Galos die durch die Entdeckung gewonnenen Rohstoffe als möglichen Beitrag zur nationalen Energiesicherheit. “Das könnte bis zu 4-5 Prozent unseres Bedarfs decken”, so Galos. Um jedoch den potenziellen Nutzen voll ausschöpfen zu können, betont Galos die Notwendigkeit, die Umweltauflagen genau zu beachten, um die Auswirkungen auf die Region nicht zu unterschätzen.
Währenddessen ermutigt Polens Chefdiplomat in Deutschland, Jan Tombinski, dazu, die Situation nicht zu überbewerten, da es bislang noch keine konkreten Förderpläne gebe. Die Diskussion um die Bohrungen bleibt jedoch hitzig, und die Bürgerinitiative “Lebensraum Vorpommern” kritisiert die Industrialisierungsbestrebungen vehement. Axel Kindler, ein Sprecher der Initiative, fordert eine genauere Untersuchung der Umweltrichtlinien.
Inmitten dieser Auseinandersetzungen bleibt die Frage bestehen: Wie wird sich die Region entwickeln? Die Zukunft von Usedom könnte von den kommenden Entscheidungen über das Öl- und Gasvorkommen maßgeblich beeinflusst werden. Eines ist klar: Der Dialog zwischen Deutschland und Polen muss dringend intensiviert werden, um einerseits natürliche Ressourcen verantwortungsvoll zu nutzen und andererseits den wirtschaftlichen Hauptpfeiler Usedom zu schützen. Hier sind alle Parteien gefordert.