Traditionsbetrieb Doering Glass vor dem Aus: 90 Jahre Geschichte zerbrochen!

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Traditionsreiche Glashersteller in Meißen stehen vor Insolvenzen, ausgelöst durch Energiekosten und Lieferkettenprobleme.

Traditionsreiche Glashersteller in Meißen stehen vor Insolvenzen, ausgelöst durch Energiekosten und Lieferkettenprobleme.
Traditionsreiche Glashersteller in Meißen stehen vor Insolvenzen, ausgelöst durch Energiekosten und Lieferkettenprobleme.

Traditionsbetrieb Doering Glass vor dem Aus: 90 Jahre Geschichte zerbrochen!

In der rasant wandelnden Glasindustrie geht es drunter und drüber. Ein prominentes Beispiel dafür ist Doering Glass, ein traditionsreicher Hersteller aus Radeburg, der nun zum traurigen Ende seiner über 90-jährigen Geschichte gezwungen ist. Wie die Wetterauer Zeitung berichtet, schließt das Unternehmen Ende November 2025 seine Pforten. Nach dem Einstieg in ein gerichtliches Sanierungsverfahren am Amtsgericht Dresden im Mai 2025 konnte trotz mehrerer Interessenten keine Lösung gefunden werden, um das Unternehmen zu retten.

Die schwierige Lage in der Glasindustrie ist geprägt von einem Mix aus hohen Energiepreisen und massiven Lieferkettenproblemen. Dies macht sich besonders schmerzhaft bemerkbar. Die Presswerke von Doering Glass produzieren Flach- und Isolierglas, mussten aber nun 120 Kündigungen aussprechen. Glücklicherweise haben viele Mitarbeiter bereits neue Stellen in der Region gefunden.

Energiewende und ihre Folgen

Doch nicht nur Doering Glass kämpft ums Überleben. Die Glashütte Freital GmbH aus Sachsen ist ein weiteres Beispiel dafür, wie die Branche unter dem Druck der Energiewende leidet. Das Unternehmen, das im Jahr 1802 gegründet wurde, meldete am 26. Februar 2025 Insolvenz an, und ebenso wie bei Doering Glass sind hohe Energiekosten und sinkende Nachfrage die Hauptursachen. Gespräche über Finanzierungen zwischen der Geschäftsführung und Banken scheiterten bereits, was die Lage noch dramatischer macht. Von den derzeit 125 Mitarbeitern sollen rund 40 Arbeitsplätze wegfallen.

Die Glasindustrie wird von ausländischen Herstellern mit günstigem Atomstrom stark unter Druck gesetzt. Viele deutsche Kleinserien-Hersteller können die sprunghaften Preissteigerungen nicht mitgehen. Um dem Preisverfall im Glasmarkt etwas entgegenzusetzen, verhandelt das Management der Glashütte Freital mit Edeka über die Herstellung von Glasverpackungen, aber ob das fruchtet, bleibt fraglich.

Preisdruck und sinkende Nachfrage

Auch einen Gesamtrückblick auf die Branche zeigt, dass die Glasindustrie in Deutschland enorm um ihre Grundlage kämpft. Wie Lebensmittel Praxis aufzeigt, gibt es signifikante Rückgänge im Absatz von Behälterglas, speziell für Getränkeflaschen, die 2023 um 15,5 % zurückgegangen sind. Diese Situation wird noch verstärkt durch einen allgemeinen Rückgang des Konsums, weil sich Verbraucher nach günstigeren Alternativen umsehen.

Die Gründe sind vielseitig: Die Herstellung von Glas ist extrem energieintensiv und verlangt nach Temperaturen von bis zu 1.600 Grad Celsius. Dabei werden bis zu 90 Prozent des erforderlichen Energiebedarfs durch Erdgas gedeckt. Die Preise für Erdgas sind seit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine in die Höhe geschnellt, und erreichen aktuell für Großkunden etwa 40 Euro pro MWh – das ist fast das Vierfache der Preise von vor der Krise.

Insgesamt wurden im ersten Halbjahr 2025 in Deutschland 12.009 Unternehmensinsolvenzen verzeichnet, ein Anstieg von 12,2 % im Vergleich zum Vorjahr. Die DIHK prognostiziert bis Ende 2025 mehr als 22.000 Insolvenzen, was die prekäre Lage vieler Betriebe unterstreicht.

Die Glasproduktion, wie wir sie kennen, könnte also bald der Vergangenheit angehören, wenn nicht zeitnah Lösungen in Sicht sind. In der Branche bleibt es spannend, aber auch äußerst herausfordernd, da die Unsicherheit über die zukünftige Entwicklung der Energiepreise und der Marktbedingungen das wirtschaftliche Klima zusätzlich erfährt.