Friedlicher CSD in Zwickau: 800 Stimmen für Liebe und Gleichheit!
Am 30.08.2025 feierten bis zu 800 Menschen in Zwickau den CSD unter dem Motto „Zwickau - L(i)ebe Bunt“ und setzten ein Zeichen für LGBTQI*-Rechte.

Friedlicher CSD in Zwickau: 800 Stimmen für Liebe und Gleichheit!
In Zwickau wurde am 30. August 2025 ein lebendiger Christopher Street Day (CSD) gefeiert, der unter dem Motto „Zwickau – L(i)ebe Bunt“ stand. Veranstalter schätzten die Teilnehmerzahl auf bis zu 800 Personen, die sich versammelten, um für Sichtbarkeit und Gleichberechtigung queerer Menschen zu demonstrieren. Laut mz.de verlief die Veranstaltung bis zum Nachmittag friedlich, was durch die Polizei bestätigt wurde. Es gab zwar einige pöbelnde Personen am Rande, aber keine offiziellen Gegendemonstrationen. Dies ist besonders bemerkenswert, denn in Zwickau gab es in der Vergangenheit immer wieder Anfeindungen gegen LGBTQI*-Veranstaltungen.
Die Amadeu Antonio Stiftung schätzt, dass im Jahr 2023 so viele Menschen wie nie zuvor für LGBTQI*-Rechte demonstrierten – selbst in kleineren Städten wie Zwickau. Trotz eines Anstiegs an Angriffen auf Teilnehmende bei CSD-Veranstaltungen ließen sich die queeren Menschen nicht unterkriegen und feierten auch dieses Jahr mit viel Enthusiasmus. Wie die Stiftung berichtet, nahmen etwa 600 Menschen am CSD in Zwickau teil, um sowohl zu feiern als auch politische Forderungen zu äußern.
Politische Botschaften und Herausforderungen
Die Redebeiträge bei der Veranstaltung thematisierten ernsthafte gesellschaftliche Probleme. So wiesen Redner auf den Anstieg queerfeindlicher Gewalt hin und forderten die Abschaffung des Transsexuellengesetzes. Unter den Slogans auf Plakaten fanden sich Kraftausdrücke wie „Für die Liebe, für das Leben. Nazis von der Straße fegen“ und „CSD statt AfD“. Trotz der friedlichen Atmosphäre waren jedoch rechtsradikale Aktivist*innen anwesend, die die Parade aus der Ferne beobachteten. Solche Vorfälle sind nicht neu für Zwickau, wo bereits im Jahr 2022 ein CSD von etwa 20 vermummten Neonazis angegriffen wurde.
Eine Jugendgruppe des III. Weges hatte sogar zur aktiven Störung des CSD aufgerufen. Auf die zunehmenden Bedrohungen hat die Bürgermeisterin von Zwickau reagiert und während der Veranstaltung gesprochen, um mehr Schutz für queere Menschen zu fordern. Auch die sächsische Justizministerin äußerte sich in diesem Zusammenhang.
Die Lage der LGBTQI*-Community in Sachsen
Dennoch zeigt eine nicht-repräsentative Studie der sächsischen Landesregierung, dass fast die Hälfte der LGBTQI*-Befragten in den letzten fünf Jahren Diskriminierung erfahren hat. Nur ein Viertel der Befragten fühlt sich im öffentlichen Raum sicher, was besonders in ländlichen Gebieten besorgniserregend ist. Dort geben 40 Prozent der queeren Personen an, nicht geoutet zu sein, aus Angst vor negativen Reaktionen. In Zusammenarbeit mit dem QueerSpace im Alten Gasometer hat Diana Freydank einen Raum geschaffen, in dem queere Personen über ihre Themen sprechen können. Freydank wünscht sich mehr Unterstützung von Institutionen, Vereinen und Unternehmen für die LGBTQI*-Community in Zwickau.
Die Geschichte der queer-feministischen Bewegung und die damit verbundenen Herausforderungen sind tief verwurzelt. Der Widerstand, der mit dem Stonewall-Aufstand in New York im Jahr 1969 begann, hat sich zu einer breiten Bewegung für Rechte und Sichtbarkeit entwickelt. Historisch betrachtet gab es in Deutschland einen langen Weg, auf dem sich Persönlichkeiten wie Karl Heinrich Ulrichs und Magnus Hirschfeld für die Rechte der Homosexuellen einsetzten. Doch während bedeutende Gesetze wie die Ehe für alle (2017) und das Selbstbestimmungsgesetz (2024) geduldig erkämpft wurden, ist die Rückkehr von politischen Strömungen, die gegen queere Menschen hetzen, alarmierend.
Insgesamt wird der CSD in Zwickau nicht nur als Feier, sondern auch als kraftvolle Protestveranstaltung wahrgenommen. Die Teilnehmer*innen zeigen, dass sie für ihre Rechte und die ihrer Community kämpfen, während sie gleichzeitig die dringend notwendige Sichtbarkeit in ihrer Region fordern. Trotz aller Herausforderungen bleibt die Botschaft klar: queere Menschen in Sachsen lassen sich nicht unterkriegen.