Alarmstufe Rot: Barnimer Arbeitnehmer leisten Millionen Überstunden!
Im Landkreis Barnim wurden 1,6 Mio. Überstunden geleistet, viele unbezahlt. NGG fordert Reformen für bessere Arbeitszeiten.

Alarmstufe Rot: Barnimer Arbeitnehmer leisten Millionen Überstunden!
Die Diskussion über Überstunden und Arbeitszeitgestaltung greift immer mehr um sich, und der Landkreis Barnim bildet dabei kein Ausnahmeszenario. Im vergangenen Jahr wurden hier rund 1,6 Millionen Überstunden verzeichnet, wie barnim-aktuell.de berichtet. Aufhorchen lässt, dass etwa 842.000 dieser Stunden unbezahlt waren. Dies sind alarmierende Zahlen, die sowohl für Arbeitnehmer als auch für Arbeitgeber von Bedeutung sind.
Ein besonderer Fokus liegt auf der Gastronomie, wo in Hotels, Restaurants und ähnlichen Betrieben rund 38.000 Überstunden geleistet wurden – eine Zahl, die nicht ganz überrascht, wenn man bedenkt, dass 52% dieser Stunden unbezahlt bleiben. Diese Situation könnte sich durch die geplanten Änderungen des Arbeitszeitgesetzes der Bundesregierung weiter verschärfen. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) warnt vor einer Zunahme der Überstunden und den potenziellen gesundheitlichen Folgen.
Änderungen im Arbeitszeitgesetz
Die neuen Regelungen möchten die wöchentliche Höchstarbeitszeit flexibler gestalten. Statt wie bisher täglich auf acht Stunden begrenzt, soll sie zukünftig monatlich auf maximal 48 Stunden festgelegt werden, um mehr Spielraum sowohl für Arbeitgeber als auch für Beschäftigte zu schaffen, so boeckler.de. Doch die NGG weckt Bedenken: „Längere Arbeitszeiten erhöhen die Gefahren von Arbeitsunfällen und belasten Körper und Psyche“, mahnt Sebastian Riesner, der Geschäftsführer der NGG Berlin-Brandenburg. Die gesundheitlichen Risiken, die mit derartigen Reformen einhergehen, zeigen auch umfassende Studien zur Arbeitszeitgestaltung.
Besonders hervorzuheben ist, dass überlange Arbeitszeiten ein zunehmendes Problem darstellen. Laut dem Statistischen Bundesamt arbeiteten 2024 bereits 7,2% der Vollzeiterwerbstätigen regelmäßig mehr als 48 Stunden in der Woche. Männer übernehmen hierbei mit 8,6% einen höheren Anteil als Frauen (4,5%). Die Zahlen zeigen zudem, dass der Druck nicht nur auf den Schultern von Selbstständigen lastet, sondern auch Führungskräfte überdurchschnittlich betroffen sind: Fast 25% von ihnen arbeiten mehr als 48 Stunden pro Woche. Die Situation ist insbesondere auch für Teilzeitbeschäftigte brisant, da 61% aller Teilzeit-Jobs im Landkreis Barnim von Frauen ausgeführt werden.
Gesundheitliche Risiken und soziale Implikationen
Die Gefahren gesundheitlicher Schäden durch lange Arbeitszeiten sind nicht zu unterschätzen. Fachleute warnen, dass erhöhte Wochenstunden die Regenerationszeit verringern und somit die Gesundheit der Beschäftigten gefährden können. Eine Umfrage der Hans-Böckler-Stiftung ergab, dass die Mehrheit der Vollzeitbeschäftigten keinen späteren Feierabend wünscht. Doch die Realität sieht anders aus: Mit den angestrebten Reformen könnten mehr Menschen gezwungen werden, ihrer Arbeit über längere Zeiträume nachzugehen, was nicht nur zu Unzufriedenheit führen kann, sondern auch krankheitsbedingte Ausfälle begünstigt.
In Pflegeberufen, wo bereits hohe Krankheitsraten zu verzeichnen sind, stellt die angestrebte Deregulierung eine zusätzliche Herausforderung dar, die die Qualität der Patientenversorgung gefährden könnte. Während die Debatte um flexible Arbeitszeiten auf der politischen Agenda steht, bleibt die Frage, wie viel Flexibilität für die Beschäftigten tatsächlich von Vorteil ist und ob ihre Gesundheit nicht höher gewichtet werden sollte.
Insgesamt deutet sich an, dass der Arbeitsmarkt vor finanziellen und gesundheitlichen Herausforderungen steht. Die NGG fordert daher nicht nur verlässliche Arbeitszeiten, die mit Kinderbetreuungszeiten harmonieren, sondern auch ein Umdenken in der Arbeitszeitgestaltung. Es bleibt zu hoffen, dass die Stimmen der Beschäftigten in der politischen Debatte Gehör finden und eine gerechte sowie gesunde Arbeitskultur gefördert wird.