Kreis Stendal prüft Rückkehr zum ÖPNV in eigener Hand: Was bedeutet das?
Landkreis Stendal prüft Rekommunalisierung des ÖPNV: Experten sollen Wirtschaftlichkeit der Übernahme des Busverkehrs bewerten.

Kreis Stendal prüft Rückkehr zum ÖPNV in eigener Hand: Was bedeutet das?
Im Landkreis Stendal stehen die Zeichen auf Umbruch im öffentlichen Nahverkehr. Die Kreisverwaltung prüft, ob es sinnvoll ist, den Busverkehr wieder in kommunale Hände zu legen. Bereits vor mehr als 20 Jahren wurde der Betrieb an private Anbieter vergeben, und momentan wird der Busverkehr von der Firma „Stendalbus“ durchgeführt, die zur Unternehmensgruppe TransDev gehört. Der gegenwärtige Vertrag läuft in drei Jahren aus, und Landrat Patrick Puhlmann (SPD) zeigte sich besorgt über die Monopolstellung von „Stendalbus“. Die Übernahme könnte den Vorteil bieten, flexibler auf notwendige Änderungen, etwa mit dem Deutschlandticket, zu reagieren, berichten die Kollegen von Tagesschau.
Die geplante Rekommunalisierung wirft jedoch auch Fragen auf. Laut der Kreisverwaltung sind hohe Investitionskosten und Risiken zu erwarten, da mehr als 40 Buslinien zurückgelegt werden müssen und jährlich rund vier Millionen Kilometer von den Buslinien gefahren werden. Vor der Umsetzung steht eine umfassende Prüfung der wirtschaftlichen Aspekte, die mit Kosten in Höhe von 160.000 Euro verbunden ist. Dieses Geld muss allerdings erst im Kreistag abgesegnet werden. Unabhängige Experten sollen die wirtschaftlichen Gegebenheiten kritisch unter die Lupe nehmen.
Deutschlandticket und seine Herausforderungen
Ein weiterer Knackpunkt im ÖPNV des Landkreises ist das Deutschlandticket. Der Kreistag hat am 29. Februar 2024 beschlossen, dieses Ticket bis zum 31. Dezember 2024 anzuerkennen. Das digitale Ticket ermöglicht es, deutschlandweit die Nahverkehrsmittel und SPNV aller teilnehmenden Verkehrsunternehmen zu nutzen. Ab dem 1. Januar 2025 steigt der Preis des Deutschlandtickets von 49,00 EUR auf 58,00 EUR an. Dies geschieht vor dem Hintergrund, dass der Bund und die Länder 2025 insgesamt 3,0 Milliarden Euro für den Ausgleich von Mindereinnahmen bereitstellen, wie die Sitzungsdienst des Landkreises Stendal vermeldet.
Allerdings gibt es auch kritische Stimmen zur Einführung des Deutschlandtickets. Wirtschaftsexperten betonen, dass diese Maßnahme primär gutverdienenden Personen zugutekomme und dass die Komplexität für Verkehrsunternehmen zunehme. Eine Untersuchung des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) zeigt, dass nur 5 % der Fahrten mit dem Deutschlandticket vom Auto auf den öffentlichen Nahverkehr umgeleitet wurden, was viele Experten als unzureichend erachten. Diese Herausforderungen sollten nicht vergessen werden, wenn man den finanziellen Druck auf die öffentliche Hand und die Überlegungen zur Integration des Deutschlandtickets in die bestehenden Strukturen in den Blick nimmt, wie von Wirtschaftsdienst berichtet.
Finanzielle Szenarien für die Zukunft
Für 2025 ist ein Defizitrisiko für die kommunalen Aufgabenträger zu erwarten, während die finanziellen Auswirkungen auf den Landkreis grob abschätzbar, aber nicht alarmierend erscheinen. Der Landkreis gibt jährlich rund 4,5 Millionen Euro für den Nahverkehr aus, wobei die restlichen mehr als 6 Millionen Euro vom Land und Bund kommen. Die Frage bleibt, ob die Gesamteinnahmen den finanziellen Bedarf auch in Zukunft decken können.
Die anhaltenden Diskussionen über die Finanzierung des Nahverkehrs und die potenziellen Folgen von Preiserhöhungen könnten eine große Rolle künftig spielen. Experten warnen davor, dass diese Erhöhungen die positive Entwicklung und die gewünschte Verkehrsverlagerung gefährden könnten. Es bleibt spannend zu sehen, wie sich der öffentliche Nahverkehr im Landkreis Stendal in den kommenden Jahren entwickelt und inwiefern eine Rückkehr zur Rekommunalisierung des Busverkehrs tatsächlich umgesetzt werden kann.